Mönchengladbach protestiert: 300 Bürger gegen Islamschule

Nachbetrachtung zur Demonstration am 16.08.2010 im Mönchengladbacher Ortsteil Eicken

Mein Name ist Gabi Schmidt, ich bin als Sozialpädagogin in der Lern- und Sprachförderung tätig und nicht nur aus beruflichen Gründen am Thema Integration sehr interessiert. Von Beginn an hatten mein Kollege Edward von Roy und ich uns deshalb am Protest der Eickener Bürger beteiligt, wir sind die Autoren der offenen Briefe an Oberbürgermeister Norbert Bude und an die Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Brouns. Ich hatte auch die Demonstration am 16. August bei der Polizei angemeldet. Auf Wunsch einiger Eickener sowie in Absprache mit der Polizei haben wir dabei bewusst auf einen Programmablauf verzichtet. Ziel war es, den Bürgern einen geschützten öffentlichen Raum der Begegnung anbieten zu können. Wir hatten nur sicherheitshalber den Zeitrahmen auf zwei Stunden festgelegt, um das „Hausrecht“ ausüben zu können und den Marktplatz nötigenfalls von Störenfrieden frei zu halten. Der befürchteten Inbeschlagnahme des Themas durch Extremisten jeder politischen Richtung wollten wir durch den Verzicht auf Plakate bzw. das Verteilen von Flyern entgegenwirken. Mit 50 Personen wurde auch seitens der Polizei gerechnet, zumal keine Einladungen ausgesprochen waren.

Wir waren zwei Stunden eher da und sahen, wie der Marktplatz sich mit Gesprächssuchenden, Journalisten und Polizeikräften zu füllen begann. Herr von Roy und ich mischten uns unter die ca. 300 bunt zusammengewürfelten Teilnehmer und beteiligten uns an den Diskussionen mit Frauen und Männern unterschiedlichsten Alters, mit Anwohnern und Besuchern aus den Nachbarstädten Krefeld, Neuss und Düsseldorf. Einige Demonstranten waren Mitglieder in Parteien, andere politisch ungebunden. Auch zu den teils sehr jungen Vertretern der Antifa, die anfangs durch Sprechchöre, Plakate und Spruchbänder auf sich aufmerksam zu machen versuchten, hatte ich sehr guten Kontakt. Irgendwann räumten sie ihre Utensilien, die eigentlich nicht zugelassen waren, ein und beteiligten sich ebenfalls lebhaft an den Debatten mit den Teilnehmern des Protests.

Es trafen sich auf dem Platz Bürger unterschiedlicher Weltanschauungen und Herkunft, darunter auch besorgte muslimisch geprägte Familien, die gut in die offene Gesellschaft integriert sind und die von den Salafisten propagierte Abschottung von den „Nichtmuslimen“ kritisieren. Selbst Menschen, die sich vorher nicht kannten, tauschten sich miteinander über die menschenverachtende, speziell frauenverachtende islamistische Gruppe und ihre Lehrmeinungen aus und erörterten die Folgen eines salafistisch ausgerichteten so genannten Fernstudiums. Eine dröhnende Stimme am Megaphon oder die berüchtigte Hintergrundmusik hätten diese intensive Kommunikation verhindert.

Während der ganzen Veranstaltung, die meisten hielten die vollen zwei Stunden durch, blieben die Gespräche friedlich, wenn auch teilweise engagiert, kontrovers und lautstark argumentiert wurde. Sogar Muhammed Ciftci, der Leiter des geplanten Instituts und einige seiner salafistischen Gefolgsleute waren an den Versammlungsort gekommen, um sich als „die Muslime“ darzustellen und „Einladungen“ auszusprechen. Einige Demonstranten nutzten mutig die Chance, die Salafisten direkt anzusprechen oder ihnen zuzuhören, um sich ein authentisches Bild zu machen. Hitzige Streitgespräche entbrannten, bei denen den Fundamentalisten offenbar hin und wieder die Argumente ausgingen. Dass die gut informierten Kritikerinnen und Kritiker dann lautstark und unsachlich als Nazis beschimpft wurden, kam in der Bevölkerung sehr schlecht an. Auch dass bei der Gruppe der Extremisten Frauen völlig fehlten, fiel sehr negativ auf.

Wie beim Auftritt der NPD am Samstag vorher, wo die ebenfalls unter Beobachtung stehenden Rechtsradikalen sich vergeblich als Retter vor einer „islamischen Überfremdung der Heimat“ präsentieren wollten, haben die auf dem Marktplatz versammelten Menschen unter Beweis gestellt, Mönchengladbach ist tolerant und offen, solange nicht mutmaßliche Verfassungsfeinde die Rahmenbedingungen des Grundgesetzes ausweiten und für ihre Ideologie legalistisch aushöhlen.

Die Demonstration war ein Musterbeispiel politischer Teilhabe und gelungener demokratischer Streitkultur. An diesem Montagabend hatten Bürger die Gelegenheit wahrgenommen, sich über den vom Verfassungsschutz beobachteten Verein zu informieren, ihre Bedenken vorzubringen, Standpunkte zu diskutieren, Telefonnummern und E-Mails auszutauschen, um sich solidarisch in ihrem Protest zu unterstützen und zu organisieren. Vielfach wurde der Wunsch nach weiteren Veranstaltungen an mich herangetragen, eine Initiative wird gegründet werden. Hier wurde deutlich: Wir sind das Volk, von dem alle Macht im Staate ausgeht. Von der viel beklagten Politikverdrossenheit keine Spur.

Eine gelungene Werbeveranstaltung für die Stadt, ihre Bürgerinnen und Bürger sowie unseren säkularen, freiheitlich demokratischen Rechtsstaat. Nun hat, wer die Medienberichte verfolgt und die lokalpolitischen Ereignisse beobachtet hatte, begriffen: Mönchengladbacher sind keine Extremisten und mögen keine Radikalen.

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin, 19.08.2010

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Eine Antwort to “Mönchengladbach protestiert: 300 Bürger gegen Islamschule”

  1. Kalevala Says:


    Duisburg (RP). Unbehelligt von Behörden hat ein bekennender Salafist, dem Kontakte zum Terrornetzwerk Al Qaida nachgesagt werden, ein halbes Jahr lang an einer Duisburger Berufsschule unterrichtet. Marcel K. war Anfang des Jahres von der zuständigen Düsseldorfer Bezirksregierung als Quereinsteiger für das Fach Elektrotechnik an der Schule eingestellt worden.

    Das bestätigte gestern das NRW-Schulministerium … : „Wir haben ihm dann sofort fristlos gekündigt“, sagte eine Sprecherin. „Solche Personen haben an unseren Schulen nichts zu suchen.“ Wieso der bekannte Salafist vor seiner Einstellung als Lehrer nicht überprüft wurde, wollte das Ministerium … nicht sagen. K. will nach Informationen unserer Zeitung auf Wiedereinstellung klagen. Der Konvertit Marcel K. gilt als einer der führenden Salafisten in Deutschland mit guten Kontakten zu mittlerweile verbotenen radikalen Vereinen.

    Er war der Mitbegründer des mittlerweile geschlossenen Islamischen Zentrums Münster … Der Drahtzieher der Anschläge, der als Terrorhelfer verurteilte Mounir al Motassadeq, hatte dort gearbeitet und gelebt. …

    Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, reagierte schockiert auf den Vorgang. „Es ist unfassbar, dass so ein Mann als Lehrer eingestellt werden konnte“, sagte er und forderte die Schulbehörden zu mehr Sensibilität bei der Einstellung von Lehrern auf. …

    Peter Biesenbach, Innenexperte der CDU-Landtagsfaktion, warf den zuständigen Aufsichtsgremien Sorglosigkeit vor. „So etwas darf nicht passieren.“ Das Innenministerium wollte sich nicht zu dem Fall äußern. Der Chef des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, sagte im Innenausschuss des Landtags, die Zahl der Salafisten in NRW könne … bis Ende des Jahres auf 1000 [anwachsen]. Das Ruhrgebiet sei eine Hochburg.

    aus: Jörg Isringhaus und Christian Schwerdtfeger: Al-Qaida-Anhänger war Lehrer in Duisburg
    in: Rheinische Post 07.09.2012

    http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/duisburg/nachrichten/al-qaida-anhaenger-war-lehrer-in-duisburg-1.2984263


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