Der bekennende Islamische Religionsunterricht ist nicht schulreif

Edward von Roy

Mönchengladbach

Landtag Nordrhein-Westfalen

Petitionsausschuss

20.09.2011

Petition

I.3/15-P-2011-05451-00

Der Landtag möge beschließen:

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) ist gegenwärtig kein Ansprechpartner für Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zu einem bekenntnisorientierten Islamunterricht; die am 22.02.2011 in Düsseldorf diesbezüglich getroffene Gemeinsame Erklärung des Koordinationsrats der Muslime (KRM) und der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, in der die Einberufung eines im Einvernehmen mit dem KRM zu besetzenden Beirats verabredet worden ist, ist für den Staat, hier vertreten durch das Bundesland NRW, nicht bindend; der von KRM und Schulministerin geplante Beirat ist nicht einzurichten.

Begründung

Der KRM vertritt mit 22,7 % nur eine Minderheit der Muslime des bevölkerungsreichsten Bundeslandes, vielen Muslimen ist er schlicht unbekannt.[1] Zur auf Ungleichbehandlung beruhenden, angeblich die Seele vor dem Höllenfeuer rettenden Pflichtenlehre der Scharia (Islamisches Recht) geht der KRM, der insofern als fundamentalistisch und reaktionär zu bezeichnen ist, nicht auf Distanz. Ein proschariatischer Verantwortlicher für die Inhalte des Islamischen Religionsunterrichts (IRU) jedoch wird die an staatlichen Schulen unterrichteten Kinder und Jugendlichen, auch die nichtmuslimischen, in einen Wertekonflikt mit den Standards der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) bringen, der Grundlage unseres Grundgesetzes (GG), denn an der schariarechtlichen Maßgabe der erbrechtlichen Benachteiligung der Frau und des Nichtmuslims, am Verbot der Apostasie sowie am Gebot der Verschleierung (Hidschab)[2] des Frauenkörpers ist nach Auffassung der Mehrheit der Muftis[3] und Gelehrten (‚Ulama)[4] nicht zu rütteln.

Nach wie vor gibt es den zur Erteilung bekenntnisorientierten Islamischen Religionsunterrichts erforderlichen Ansprechpartner des Staates nicht. Dessen ungeachtet unterzeichneten Schulministerin Sylvia Löhrmann sowie, für den KRM, Nurhan Soykan (ZMD), Ali Kızılkaya (Islamrat), Seyfi Öğütlü (VIKZ) und Orhan Bilen (DİTİB) am 22.02.2011 eine „Gemeinsame Erklärung“, die darauf abzielt, zeitnah bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht im Sinne von Art. 7 Abs. 3 GG bzw. § 31 SchulG NRW einzuführen.

Insbesondere die Errichtung des verabredeten Beirats entbehrt einer gesetzlichen Grundlage und ist dem Souverän, dem Volk, bis heute nicht bekannt gemacht worden. Gleichzeitig bekundet der KRM die, zumindest provisorische, äußerst zentrale Bedeutung des Beirats gerade im Hinblick auf eine wiederum nicht öffentlich bekannt gemachte schulgesetzliche Änderung, wörtlich: „Der KRM nimmt es … zur Kenntnis, dass der nordrhein-westfälische Landtag erwägt, fraktionsübergreifend ein Schulrechtsänderungsgesetz zu beschließen, das den islamischen Religionsunterricht rechtlich ermöglicht und auch für die rechtliche Absicherung des Beiratsmodells sorgt.“

Dieser Beirat soll, NRW würde dieses schließlich „erwägen“, untrennbar in das geänderte Schulgesetz integriert sein, zugleich hat, geht es nach dem Koordinierungsrat, dieser inhaltlich durch den KRM gesteuert und permanent personell gebilligt zu sein. Damit erklärt sich der KRM selbst zum Ansprechpartner des Staates und maßt sich an, zu definieren, was muslimisch ist und was nicht („Der Beirat formuliert die religiösen Grundsätze der Muslime gegenüber dem Land“), ein ehrgeiziges Streben, das ihm aufgrund mangelnder Vertretungsbefugnis und zu prüfender Verfassungstreue jedoch vermutlich gar nicht zusteht.

Eine von Löhrmann, Soykan, Kızılkaya, Öğütlü und Bilen in der Gemeinsamen Erklärung dezidiert angestrebte „Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung, des Landtages und der organisierten Muslime …, in der religionsverfassungsrechtliche Fragen, also auch Statusfragen, besprochen werden“, hätte zu gewährleisten, dass die Absage an das ungleich behandelnde (diskriminierende) und nicht zuletzt frauenfeindliche Schariagesetz Lehrinhalt des geplanten IRU sein wird. Eine gleichsam automatisierte Ermächtigung des KRM zum personellen Ausgestalten dieser „Arbeitsgruppe“ darf es dabei nicht geben.

Die Standards von AEMR (1948) und GG (1949), insbesondere die Gleichberechtigung von Mann und Frau, sind im Schulbetrieb auch im Schulfach Religion weder zu verwerfen noch zu ironisieren. IRU muss wissenschaftsbasiert sein; der zum Politikunterricht entstandene Beutelsbacher Konsens (1976) sollte auch für das Schulfach Religion Gültigkeit haben.[5]

Weder KRM noch KRM-gesteuerter „Beirat“ sind staatlicher Ansprechpartner. Das am 22.02.2011 verhandelte Beiratsmodell ist nicht zu verwirklichen.

Edward von Roy, Diplom-Sozialpädagoge (FH)

Gabi Schmidt, Sozialpädagogin

Quelle

Gemeinsame Erklärung des Koordinationsrats der Muslime (KRM) und der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen über den Weg zu einem bekenntnisorientierten Islamunterricht

„Die Unterzeichnenden begrüßen die Einigung, weil mit dem Beirat ein institutionalisierter Ansprechpartner auf Seiten der Muslime eingerichtet werden kann. Die Vertreterinnen und Vertreter der Muslime und die Schulministerin bezeichnen es als Erfolg, dass nun in absehbarer Zeit für 320.000 muslimische Schülerinnen und Schüler Religionsunterricht vorbereitet werden kann.“

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Meldungen/Pressemitteilungen/Gemeinsame_Erklaerung.pdf

[1] Unter den muslimischen Verbänden ist DİTİB der bekannteste mit 44 Prozent, gefolgt vom AABF (27 Prozent), dem ZMD (27 Prozent), dem VIKZ (25 Prozent) und dem Islamrat (IR) (16 Prozent). Am unbekanntesten unter den Verbänden ist der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) mit einem Anteil von 10 Prozent. 59 Prozent der türkischen Muslime kennen DİTİB. … Wahrgenommene Vertretungsleistung durch den jeweils bekannten muslimischen Verband unter den befragten Muslimen (in Prozent) KRM: 22,7 % „vertreten“, 17,7 % „teils/teils“, 59,5 % „nicht vertreten“.

http://ec.europa.eu/ewsi/UDRW/images/items/docl_9743_55658285.pdf

[2] To fulfil the minimum requirements of Hijab, a Muslim woman covers her entire body, except her face and hands.

http://thequranblog.wordpress.com/2010/06/10/hijab-in-islam-2/

[3] Großmufti Mustafa Cerić strebt nach der Legalisierung der Scharia: (f) opening the way for Muslim law to be recognized in matters of personal status such as the Family Law;

http://www.rferl.org/content/article/1066751.html

[4] This is indeed a great assignment to the ‚ulama that requires from people to obey and follow them.

http://members.cox.net/ameer1/obeymqa.html

[5] Diese Dreieinigkeit von Überwältigungsverbot, Kontroversgebot und Subjektbezug übersetzte das zentrale Merkmal einer pluralistischen Demokratie – die Anerkenntnis von unterschiedlichen Interessen und Werten aufgrund unterschiedlicher Lebenslagen und Lebensgeschichten und der Notwendigkeit des Konflikts um politische Lösungen für politische Probleme – in didaktische Leitlinien. Demnach bezieht der Unterricht nicht inhaltlich Stellung, sondern verwickelt die Lernenden in die Auseinandersetzung um ein kontroverses Thema und ermöglicht ihnen so den Erwerb einer eigenen Position und die Äußerung ihrer Stellungnahme. Politische Urteilsfähigkeit des Individuums kann durch aufklärenden Streit gefördert werden.

http://www.bpb.de/files/TM9Z60.pdf

Lamya Kaddor, die islamische Religion unterrichtet und bis vor kurzem die vakante Professur an der Universität Münster vertrat, empört eine solche Position. „Die Aufklärung ist für den Islam nicht übertragbar“, sagt sie. Das Ergebnis sei das Gleiche: eine zeitgemäße Religionspraxis und ein friedvolles Miteinander mit anderen Gruppen. Als Muslima zweifele sie aber „nicht daran, dass stimmt, was im Koran steht“.

http://www.cibedo.de/islamischer_religionsunterricht.html

Überwältigungsverbot. Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der „Gewinnung eines selbständigen Urteils“ zu hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.

http://www.lpb-bw.de/beutelsbacher-konsens.html

Der Präsident des Landtags von Nordrhein-Wesfalen

Herrn

Edward von Roy

13.01.2012

Geschäftszeichen

I.3/15-P-2011-05451-00

Ihre Eingabe vom 20.09.2011, eingegangen am 20.09.2011

Schulen

Sehr geehrter Herr von Roy,

der Petitionsausschuss hat Ihr Vorbringen in seiner Sitzung am 10.01.2012 beraten. Ich gebe Ihnen hiermit aus dem Sitzungsprotokoll den gefassten Beschluss zur Kenntnis:

Das Anliegen war Gegenstand eines Gesetzgebungsverfahrens aus der Mitte des Landtags, das die Einrichtung eines bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts und eines Beirats zum Ziel hat. Der Landtag hat das Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach (6. Schulrechtsänderungsgesetz) am 21.12.2011 nach intensiven Beratungen und einer öffentlichen Anhörung von Sachverständigen beschlossen.

An dem Ziel, einen Beirat zu bilden, der die Anliegen und die Interessen der islamischen Organisationen bei der Einführung und der Durchführung des islamischen Religonsunterrichts als ordentliches Unterrichtsfach vertritt, wurde festgehalten.

Das Gesetz tritt am 01.08.2012 in Kraft und ist bis zum 31.07.2019 befristet. Die Befristung unterstreicht, dass der Weg über einen Beirat eine Übergangslösung ist.

Der Petitionsausschuss sieht keinen Grund, in der Angelegenheit weiter tätig zu werden.

Die Bearbeitung Ihrer Petition hat längere Zeit in Anspruch genommen. Bei der großen Zahl von Bitten und Beschwerden ließ sich die Verzögerung leider nicht vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

(…)

Gabi Schmidt

Mönchengladbach

An den Präsidenten des Landtags Nordrhein-Westfalen

Geschäftsstelle

Petitionsreferat

Düsseldorf

24. Januar 2012

Ihre Nachricht vom 13.01.2012

I.3/15-P-2011-05451-00

Sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir bitten um eine detaillierte Begründung, warum unsere oben genannte Petition abgelehnt wurde.

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Schmidt und Edward von Roy

[Die Antwort der Landesregierung steht noch aus]

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10 Antworten to “Der bekennende Islamische Religionsunterricht ist nicht schulreif”

  1. Jacques Auvergne Says:

    Der heutige 21. Dezember ist ein schwarzer Tag für die universellen Menschenrechte, die wissenschaftlich und individualistisch verstandene Idee Schule und für die deutschen muslimischen Säkularen.

    Nordrhein-Westfalens Landesregierung hat die vom Fachausschuss erstellte Beschlussempfehlung zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts mit Beirat (Drucksache 15/3545) begrüßt und das Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach (siehe auch § 132 a Übergangsvorschrift zur Einführung von islamischem Religionsunterricht) in zweiter Lesung angenommen. Das am 22.02.2011 zwischen Sylvia Löhrmann und dem Koordinierungsrat (KRM) „vereinbarte“ Modell eines Beirats findet also mehrheitlich Zustimmung.

    Damit sind Deutschlands bzw. Europas Aktivisten oder Sympathisanten von Muslimbruderschaft und Millî Görüş staatlicherseits zu Mitarbeitern an Bildungslandschaft und Schulsystem ernannt worden.

    In Düsseldorf stimmten SPD, GRÜNE und CDU am heutigen Nachmittag geschlossen für die Gesetzesänderung. Die FDP machte verschwommene Verfassungsbedenken geltend und enthielt sich der Stimme, die atheistischen LINKEN, die nicht vor der gelehrten Wortwörtlichkeit von Koran und Hadith, sondern vor potentieller türkischer Einflussnahme warnten und vor den rechtsradikalen Grauen Wölfen, stimmten gegen den Entwurf. Das Wort Scharia jedoch wagte selbst unter diesen liberalen oder sozialistischen Parlamentariern niemand auszusprechen.

    Schulministerin Löhrmann pries ihr Beiratsmodell nebst Übergangsvorschrift § 132a vor 14 Tagen insofern am richtigen Ort, in der Bilal-Moschee (IZ Aachen), die zum deutschen Umfeld der globalen Muslimbrüder gerechnet werden kann.

  2. Karsten Hilchenbach Says:

    Im muslimbrudernahen Islamischen Zentrum Aachen (Bilal-Moschee) wurde die Schulministerin visionär: „Dabei ist der islamische Religionsunterricht ist für die muslimischen Schülerinnen und Schüler eine große Chance, denn (…) er befähigt dazu, auf Grundlage der islamischen Quellen – insbesondere des Korans – die Welt regelgeleitet religiös zu deuten.“

    Mit „islamischen Quellen“ sind Koran und Hadith gemeint, doch davor, dass man sie nicht wortwörtlich nehmen sollte, warnt Löhrmann leider keineswegs. Beim Deutschland irgendeine „Chance“ spendenden „regelgeleitet“ hat Sylvia Löhrmann doch offensichtlich die Wohlverhaltensnormen des Islamischen Rechts (Scharia) gemeint. Dass aber jemand, der die Welt und Gesellschaft koranisch deutet, von dieser vielleicht nicht mehr viel mitbekommt (Welt) oder sie nach Maßgabe der Hisba allahkratisch faschisiert (Gesellschaft), sagt uns die Politikerin nicht. Implizit ist das IZ Aachen in den Stand eines potentiellen Ansprechspartners für den Islamischen Religionsunterricht erhoben worden.

    Zum IZ Aachen weiß Wiki: „Das ursprünglich vom Führer der syrischen Muslimbrüder Issam El Attar gegründete IZA spaltete sich 1981 von der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) ab. Seit 2003 betreibt das IZA mit dem ‚Zentrum für islamische Studien‘ eine theologische Ausbildungsstätte für Imame. Bis 1996 leitete Attar das IZA.“

    Sind durch den Auftritt der Ministerin die theologischen Bildungsgänge des ‚Zentrums für islamische Studien‘ denn nicht ein wenig als schultauglich und kindgerecht erklärt worden? Oder hat nach Sylvia Löhrmanns Meinung IZ-Gründer Issam El Attar den Islam falsch verstanden? Soll der leider sehr bald aufzubauende ‚Beirat‘ („zwei muslimische Religionsgelehrte“) die Bewerbung eines Absolventen des IESH (Château-Chinon) oder des Aachener ‚Zentrums für islamische Studien‘ ablehnen, sind IESH-Absolvent Bajrambejamin Idriz oder Khaled Hanafy (Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland, Eichenstraße, Frankfurt) denn etwa keine „muslimischen Religionsgelehrten“?

    Nebelwolken von Höflichkeitsritual, Moralisiererei und Mehrdeutigkeit sind seit dem ärgerlichen 22. Februar 2011 aufgestiegen, Sylvia Löhrmann durfte im Dezember 2011 unkritisiert das Islamische Zentrum (IZ Aachen, Bilal-Moschee) als Bühne für ihre Idee von Beirat und Übergangsgesetz verwenden, über Muslimbruderschaft oder Milli Görüs fiel bei der Expertenanhörung (14. September) oder gestrigen Gesetzesbeschließung kein Wort und zur Scharia möchte sich Löhrmann nicht öffentlich äußern (Die Ministerin stellte kurz und bündig fest, dass sie sich dazu noch nie geäußert habe und auch nicht vorhabe, dazu Stellung zu nehmen. Es gelte in Deutschland das Grundgesetz für alle und die allgemeinen Menschenrechte). Schade, dass Löhrmann nicht betonen möchte, dass der Islamische Religionsunterricht die ewig heilssichernden und irdisch diskriminierenden Normen der Scharia eben auf keinen Fall bekennend lehren darf.

    http://www.hilde-scheidt.de/2011/12/13/bildungsministerin-silvia-lohrmann-zum-islam-unterricht-an-schulen-in-nrw/

    Ist aber, was zu hoffen wäre, von Bekenntnischarakter bzw. von bekennend auch mit dem gestrigen Parlamentsentscheid (21.12.2011) noch gar nicht zu reden? Nach § 132 a Übergangsvorschrift zur Einführung von islamischem Religionsunterricht (1) – vgl. Ducksache 15/3545 – sind aus der Landesverfassung vor allem die Artikel 14 und 19 Grundlage, in Umsetzung von GG Artikel 7 (3). Daneben sei § 31 (wohl von) Schulgesetz NRW vom 15. Februar 2005 (GV. NRW. S. 102), zuletzt geändert durch Gesetz vom 5. April 2011 (GV. NRW. S. 205) zentral: „Besteht auf Grund der Zahl der in Betracht kommenden Schülerinnen und Schüler Bedarf, islamischen Religionsunterricht im Sinne von § 31 einzuführen (…).

    http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD15-3545.pdf

    Artikel 14

    (1) Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach an allen Schulen, mit Ausnahme der Weltanschauungsschulen (bekenntnisfreien Schulen). Für die religiöse Unterweisung bedarf der Lehrer der Bevollmächtigung durch die Kirche oder durch die Religionsgemeinschaft. Kein Lehrer darf gezwungen werden, Religionsunterricht zu erteilen.

    (2) Lehrpläne und Lehrbücher für den Religionsunterricht sind im Einvernehmen mit der Kirche oder Religionsgemeinschaft zu bestimmen.

    (3) Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes haben die Kirchen oder die Religionsgemeinschaften das Recht, nach einem mit der Unterrichtsverwaltung vereinbarten Verfahren sich durch Einsichtnahme zu vergewissern, daß der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit ihren Lehren und Anforderungen erteilt wird.

    (4) Die Befreiung vom Religionsunterricht ist abhängig von einer schriftlichen Willenserklärung der Erziehungsberechtigten oder des religionsmündigen Schülers.

    Artikel 19

    (1) Die Freiheit der Vereinigung zu Kirchen oder Religionsgemeinschaften wird gewährleistet. Der Zusammenschluß von Kirchen oder Religionsgemeinschaften innerhalb des Landes unterliegt keinen Beschränkungen.

    (2) Die Kirchen und die Religionsgemeinschaften ordnen und verwalten ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie haben das Recht, ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates und der politischen Gemeinden zu verleihen oder zu entziehen.

    http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.2/Gesetze/Verfassung_NRW.jsp

    § 31 Religionsunterricht

    (1) Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach an allen Schulen mit Ausnahme der Weltanschauungsschulen (bekenntnisfreien Schulen). Er wird nach Bekenntnissen getrennt in Übereinstimmung mit den Lehren und Grundsätzen der betreffenden Kirche oder Religionsgemeinschaft erteilt. Religionsunterricht wird erteilt, wenn er allgemein eingeführt ist und an der einzelnen Schule mindestens zwölf Schülerinnen und Schüler dem entsprechenden Bekenntnis angehören.

    (2) Das Ministerium erlässt die Unterrichtsvorgaben für den Religionsunterricht im Einvernehmen mit der Kirche oder der Religionsgemeinschaft. Die Zahl der Unterrichtsstunden setzt das Ministerium im Benehmen mit der Kirche oder der Religionsgemeinschaft fest.

    (3) Lehrerinnen und Lehrer bedürfen für die Erteilung des Religionsunterrichts des staatlichen Unterrichtsauftrags und einer Bevollmächtigung durch die Kirche oder die Religionsgemeinschaft. Religionsunterricht kann, soweit keine staatlich ausgebildeten Lehrkräfte zur Verfügung stehen, durch Geistliche, kirchliche Lehrkräfte, von der Religionsgemeinschaft beauftragte Lehrkräfte oder von ausgebildeten Katechetinnen und Katecheten erteilt werden. Sie bedürfen dazu des staatlichen Unterrichtsauftrags und einer Bevollmächtigung durch die Kirche oder Religionsgemeinschaft.

    (4) Niemand darf gezwungen werden, Religionsunterricht zu erteilen. Lehrerinnen und Lehrern, die die Erteilung des Religionsunterrichts ablehnen, dürfen hieraus keine dienstrechtlichen Nachteile erwachsen.

    (5) Der Religionsunterricht unterliegt der staatlichen Schulaufsicht, die sich insbesondere auf die Ordnung und Durchführung des Unterrichts erstreckt. Die Kirche oder die Religionsgemeinschaft hat ein Recht auf Einsichtnahme in den Religionsunterricht; das Recht der obersten Kirchenleitung, den Religionsunterricht zu besuchen, bleibt unberührt. Das Verfahren der Einsichtnahme wird durch Vereinbarung des Ministeriums mit der Kirche oder der Religionsgemeinschaft geregelt.

    (6) Eine Schülerin oder ein Schüler ist von der Teilnahme am Religionsunterricht auf Grund der Erklärung der Eltern oder – bei Religionsmündigkeit der Schülerin oder des Schülers – auf Grund eigener Erklärung befreit. Die Erklärung ist der Schulleiterin oder dem Schulleiter schriftlich zu übermitteln. Die Eltern sind über die Befreiung zu informieren.

    Ordentliches Lehrfach

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ordentliches_Lehrfach

    Der Religionsunterricht als „gemeinsame Angelegenheit“

    Aus dem Grundgesetz ergibt sich, dass der Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht steht. Er ist somit wie jeder andere Unterricht auch demokratischen Grundsätzen verpflichtet. Die im Religionsunterricht von den Schülern erbrachten Leistungen werden benotet. Diese Noten sind versetzungsrelevant. Melden sich Schüler im Laufe des Schuljahres ab, kann trotzdem unter Angabe der Teilnahmedauer eine Note erteilt werden. Wie jeder ordentliche Unterricht ist der Religionsunterricht grundsätzlich vom Schulträger mit eigenen Lehrkräften zu unterrichten und zu finanzieren.

    Der Staat ist zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, er garantiert die Freiheit jeder Religionsausübung. Daher kann er nicht entscheiden, welchen Inhalt der Religionsunterricht haben soll und welche Glaubenslehren „richtig“ sind. Der Staat ist daher auf die Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften angewiesen. Der Religionsunterricht ist somit eine „gemeinsame Angelegenheit“ (res mixta) von Staat und Religionsgemeinschaften.

    Deshalb sind die Religionsgemeinschaften unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes für die Inhalte ihres Religionsunterricht verantwortlich. Sie leiten die Inhalte für den Religionsunterricht von ihren Glaubensaussagen ab. Diese sind weder neutral noch objektiv. Sie dürfen aber die Freiheitsentfaltung anderer nicht rechtswidrig beschränken.

    Der Religionsunterricht wird grundsätzlich von staatlichen Lehrern unterrichtet, die:

    – beide Staatsexamina haben,
    – auf die Verfassung vereidigt sind und
    – über die Zulassung der jeweiligen Religionsgemeinschaft verfügen.

    Daneben kann der Staat in seinen Schulen – in Abstimmung mit den Religionsgemeinschaften – auch Personen mit der Erteilung des Religionsunterricht beauftragen, die keine Lehrerausbildung haben.

    Die Religionsgemeinschaften haben das Recht, durch Einsichtnahme in den Unterricht zu prüfen, ob dieser mit ihren Grundsätzen übereinstimmt. Sie können bei schwerwiegenden Verstößen gegen ihre Glaubenslehren der Lehrkraft die Vokation bzw. Missio entziehen. Die Lehrkraft ist dann nicht mehr zur Erteilung von Religionsunterricht berechtigt.

    Auch hat der Staat das Recht zu überprüfen, ob der Religionsunterricht staatlichen Anforderungen an Schule genügt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Religionsunterricht_in_Deutschland#Der_Religionsunterricht_als_.E2.80.9Egemeinsame_Angelegenheit.E2.80.9C

    In Berlin gibt es „Islamischen Religionsunterricht“. Er wird durch die Islamische Föderation Berlin erteilt, einem zum Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland gehörenden regionalen Verband. Die Islamische Föderation (IFB) wird von Beobachtern kritisch beurteilt, da ihr enge Verbindungen zur Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs unterstellt werden. Millî Görüs (IGMG) gilt als extremistisch und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Islamische Föderation distanzierte sich vom Volksbegehren Pro Reli, nachdem klar wurde, dass ein Erfolg des Volksentscheids ihre Rolle schwächen würde.

    In Niedersachsen wird seit einiger Zeit „Islamischer Religionsunterricht“ angeboten. Als Ansprechpartner für den Staat fungiert ein runder Tisch, der sich unter anderem aus Vertretern verschiedener islamischer Organisationen zusammensetzt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Religionsunterricht_in_Deutschland#Der_Religionsunterricht_als_.E2.80.9Egemeinsame_Angelegenheit.E2.80.9C

    2006

    Die muslimischen Verbände in Deutschland wollen jedoch mehr.

    Sie fordern schon seit Jahren einen islamischen Religionsunterricht, der in seinem Bekenntnischarakter dem der evangelischen und katholischen Kirche gleichen soll – also einen Unterricht, der nicht nur theoretisch über den Islam informiert, sondern den Kindern direkt muslimische Werte und den islamischen Glauben vermittelt.

    http://de.qantara.de/Viele-Huerden/3464c3558i1p402/

    Exkurs: Die Strippenzieher: Ceylan und Wulff

    Osnabrücker Islamwissenschaftler Prof. Ceylan begleitete Bundespräsident Wulff auf Auslandsreise

    Prof. Dr. Rauf Ceylan, Islamwissenschaftler an der Universität Osnabrück, begleitete Bundespräsident Christian Wulff auf seiner fünftägigen Auslandsreise in die Volksrepublik Bangladesch und die Republik Indonesien. Auf dem Besuchsprogramm standen zahlreiche Begegnungen mit Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften. Ceylan konnte sich nicht nur über das multireligiöse Leben in Bangladesch und Indonesien informieren, sondern auch über das geplante Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück berichten. …

    Das Bild muslimischen Lebens in Deutschland werde nach Meinung des Osnabrücker Religionspädagogen in den ausländischen Medien nur einseitig vermittelt: »Viele positive Facetten und Entwicklungen müssen in Zukunft stärker transportiert und kommuniziert werden. Die Diaspora-Situation ist eine Chance für uns europäische Muslime, um Neues auszuprobieren.« Diese Idee der Kooperation werde in nächster Zeit mit den in Bangladesch und Indonesien tätigen deutschen Stiftungen aufgegriffen werden, um ein Wissenstransfer in Form von Tagungen und Konferenzen zu gewährleisten.

    http://www.idw-online.de/pages/de/news454980

    Die neuen Gelehrten des Islam – Kirche unterstützt Frauen

    15.10.2011
    Von Christian Unger

    Hamburg. „Vielen Dank für die Einladung zum Kaffee“, sagt Noha Abdel-Hady, aber sie faste gerade. Es ist noch nicht viel los an diesem Morgen im Café dell Arte im Westflügel des Hauptgebäudes der Universität Hamburg. Die Herbstsonne scheint durch das gläserne Dach auf die runden Holztische im Foyer, und Noha Abdel-Hady findet kräftige Worte für das, was ihr der Glaube bedeutet. „Er ist für mich wie ein Wegweiser, um ein guter Mensch zu sein.“ Er sei ihr Leben. (…)

    Und die 26 Jahre alte Abdel-Hady ist Teil eines großen Puzzles, das sich nach und nach in Deutschland zusammenfügt. Von Hamburg bis München entwickelt sich eine islamische Theologie – getragen von einem Bündnis aus Politikern und Stiftungen. Vier Zentren für Islam-Studien in Deutschland nehmen in diesem Wintersemester ihren Betrieb auf. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Standorte Münster und Osnabrück, Tübingen, Frankfurt und Erlangen in den nächsten fünf Jahren mit jeweils vier Millionen Euro. Mit dem Geld sollen Forscher, Mitarbeiter und Nachwuchskräfte bezahlt werden. Die Hochschulen bilden nun Imame, Theologen und Religionslehrer aus.

    Auch die Universität Hamburg hat seit diesem Wintersemester erstmals eine Professur für Islamische Theologie. Die Wissenschaftlerin Katajun Amirpur wechselt von Zürich in die Hansestadt an die Akademie der Weltreligionen. Die Stadt fördert die Akademie jährlich mit 150 000 Euro.

    http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2060576/Die-neuen-Gelehrten-des-Islam-Kirche-unterstuetzt-Frauen.html

    Der schulische Religionsunterricht dient zwar als Einführung von Kindern und Jugendlichen in die jeweiligen Vorstellungen und Wertesysteme der Glaubens- bzw. Religionsgemeinschaften. Er hat jedoch weitere Inhalte wie Ethik, allgemeine Religionskunde, Menschenrechte und Lebenskunde. Dies bezieht sich in den Ländern Europas vor allem auf den christlichen Religionsunterricht, wo die Lehrkräfte auch die Lehren anderer Weltreligionen beispielhaft vorstellen. Wieweit dies z.B. im Islam ebenfalls erfolgen soll, ist Gegenstand laufender Erörterungen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Religionsunterricht

    Nicht nur pampig oder patzig sollen sich unsere Volksvertreter zum unbedingten Vorrang von AEMR und GG gegenüber den Forderungen der Religion (oder Tradition) bekennen.

    Wo ein totalitäres Gehorsams- und Rechtssystem wie das der Scharia betroffen ist, sollte man, gerade in Bezug auf die Schule, deutlicher zwischen bekenntnisbezogen (man redet vom konfessionellen Religionsunterricht, vgk. Rothgangel: Innen- und Außenperspektive. Zur Bedeutung von Religionswissenschaft für einen konfessionellen Religionsunterricht.) und bekennend unterscheiden.

    Denn selbstverständlich kann jede Form von Islamkunde / muttersprachlich eingebundene „Islamunterweisung“ oder verwirklichter IRU sich auf das „Bekenntnis“ beziehen (der gelegentlich und mit Blick auf Art. 7 GG geforderte „Bekenntnischarakter“ will allerdings mehr). Die vom Lehrer dargelegten grundgesetzwidrigen Normen der Scharia können aber gar nicht Bekenntnis sein, solange der Religionsunterricht sich nicht gegen die Verfassung richten soll.

    „Der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht“ könnte ja auch vor einer jeden ernsthaft verwirklichten Scharia ausdrücklich und bekenntnisorientiert warnen (vgl.: „Ab dem Schuljahr 2012/13 soll der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht schrittweise in den Schulen eingeführt werden.“), ohne dass der Aufbau von Schariaschiedsstellen die Schülerin oder den Schüler überwältigt und, bei angedrohter Höllenstrafe (Koran, Hadith) erpresst.

    http://www.aachener-zeitung.de/sixcms/detail.php?template=az_druckversion&_ivw=zeuregio&id=1915860&_wo=Lokales:Euregio

    Die Islamlobbyisten und sonstigen Schariafreunde spielen auf Zeit – und die Gutmenschen oder Islamoptimisten tun so, als ob sich die wesensgemäß kohärente, im deutschen Bildungswesen gezwungenermaßen (zum Schein?) segmentierte ‚vor der Hölle rettende‘ Scharia dauerhaft in von Außenansicht und Wissenschaftlichkeit gerahmte Schulstunden sperren ließe.

    Unterdessen begleitet Ceylan Wulff in den Schariastaat Indonesien und trägt die schariagehorsam fastende Nachwuchstheologin Noha Abdel-Hady ihren Schleier – natürlich völlig freiwillig.

    Schleichende Islamische Revolution per Ehrenamt und Schulgesetz? Muslimbrudernahe jenseitszentrierte Faschisierung eines Bevölkerungsteils nun auch mit dem Werkzeug gelebter und ‚bekennend‘ gelehrter Religion?

    Haben wir den ‚Wind des Wandels‘ (Sylvia Löhrmann) vergessen, der 1979 im Iran durchaus erfolgreich zu wehen begann? Das vom Hamburger Abendblatt gewählte Bild könnte sich antidemokratisch, theokratisch bewahrheiten: „Teil eines großen Puzzles, das sich nach und nach in Deutschland zusammenfügt“.

    http://www.fachportal-paedagogik.de/fis_bildung/suche/fis_set.html?FId=848574

    „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen.“ Lassen Sie uns gemeinsam an dieser Windmühle bauen, meine Damen und Herren!

    http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Presse/Reden_MinisterinLoehrmann/7_12_2011_IRU__Bilal_Moschee_Aachen.pdf

  3. Karsten Hilchenbach Says:

    Deutschland (damals noch) von Österreich aus gesehen:
    ÖIF-Dossier n°5
    Der islamische Religionsunterricht in Österreich
    Dr. Mouhanad Khorchide

    Juli 2009

    Für die Inhalte und Ziele des Religionsunterrichts sind die Vorstellungen der beteiligten Religionsgemeinschaften maßgeblich. Der Staat ist zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet und darf daher nicht entscheiden, welchen Inhalt der Religionsunterricht haben soll und welche Glaubenslehren „richtig“ sind. Der Staat ist somit auf die Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften angewiesen. Allerdings bestehen die Bestimmungsrechte der Religionsgemeinschaften nach Art. 7 Abs. 1 GG „unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechts“. Das Bundesverfassungsgericht versteht die Schulaufsicht im Sinne des Art. 7 Abs. 1 GG als Befugnis des Staates zur Planung und Organisation des Schulwesens mit dem Ziel der Gewährleistung eines Schulsystems, das allen jungen BürgerInnen ihren Fähigkeiten entsprechend die dem heutigen gesellschaftlichen Leben entsprechenden Bildungsmöglichkeiten eröffnet.

    http://www.integrationsfonds.at/publikationen/oeif_dossiers/der_islamische_religionsunterricht_in_oesterreich/

    Michael-Ezzo Solf will jetzt den IRU – vor einem halben Jahrzehnt kämpfte er gegen das Lehrerinnenkopftuch.

    05. März 2007
    bei IGMG

    Ex-Schulministerin Ute Schäfer (SPD) sagte, mit dem Kopftuchverbot werde „mit Kanonen auf Spatzen“ geschossen. „Emanzipierte Lehrerinnen werden gezwungen, das Kopftuch abzulegen“, kritisiert sie. Der CDU-Abgeordnete Michael-Ezzo Solf behauptete dagegen, dass das Kopftuch gegen „Verfassungsgüter wie die Freiheit, Menschenwürde und die Gleichberechtigung“ verstoße. Mit Hinblick auf die Düsseldorfer Sozialpädagogin, die wegen des Tragens einer Baskenmütze von der Bezirksregierung abgemahnt wurde, fragte Grünen-Fraktionsvorsitzende Sylvia Löhrmann: „Wodurch gefährdet eine Baskenmütze die Gleichberechtigung?“ In Nordrhein-Westfalen gilt seit August 2006 ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen.

    http://www.igmg.de/nachrichten/artikel/5676.html?L=qztwEjYZ&type=98

    Österreich: Fuat Sanaç von der IGGiÖ

    Sanac, der heute zum Vorsitzenden der Islamischen Glaubensgemeinde (IGGiÖ) in Österreich gewählt wird, lässt in der Tat mit – für einen islamischen Religionsgelehrten – erstaunlichen Positionen aufhorchen. Dass sich seine Tochter nach einem London-Aufenthalt gegen das Kopftuch entschieden hat? Was soll’s. Auf die menschlichen Qualitäten käme es an, erklärt Sanac mit offener Geste. Ob jemand die frommen Regeln des Islam beachte oder nicht: zweitrangig.

    Der oberste Islamvertreter als antiautoritärer Religionsvater?

    Das wäre wohl ein Trugschluss. Wenn es konkret wird, bezieht der türkischstämmige 57-Jährige eindeutig Position. Zwar verurteilte er die Aussagen des inzwischen zurückgetretenen IGGiÖ-Vize Ahmet Hamidi (zu viel Sport sei schädlich für Frauen). Zugleich erklärte Sanac aber, wie sich Musliminnen in öffentlichen Schwimmbädern zeigen sollten: im Vollkörperbadeanzug.

    Dass er als junger Mann in Deutschland Spitzenfunktionär der radikalen türkischen Splitterpartei „Milli Görüs“ war, wischt er genervt vom Tisch. „Na und? Ist das ein Verbrechen?“ Das sei lange her, er habe mit Politik längst nichts mehr am Hut. Zu einer Distanzierung von der Partei, die von einer Großtürkei träumt und nach Ansicht des deutschen Verfassungsschutzes zumindest tendenziell antisemitisch auftritt, ist er aber nicht bereit.

    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/portraet/2773019/zwei-gesichter-des-fuat-sanac.story

    Neuer Islam-Präsident
    „Religiöse Verbote kann man nicht ändern“
    Interview | Maria Sterkl, 19. Juli 2011

    derStandard.at: Ohne Religion zu leben, heißt nicht, unter Zwang ohne Religion zu leben. Viele Menschen leben unter Zwang mit Religion.

    Sanaç: Ja, auch das ist falsch im Islam. Ein Muslim ist der, der sich freiwillig Gott unterworfen hat, der freiwillig betet und fastet. Sonst ist es ungültig. Deswegen spreche ich immer von Freiheit, Freiheit, Freiheit. Jeder muss für sich entscheiden.

    derStandard.at: Sie haben es als ein religiöses Gebot bezeichnet, dass Mädchen ab der Pubertät nicht mehr mit Buben schwimmen gehen. Aber daraus können sich ganz konkrete Probleme ergeben: Was ist, wenn der ganze Freundeskreis ins Freibad geht, aber Aylin oder Yasmin darf nicht mitgehen?

    Sanaç: Das ist eine private Entscheidung. Das muss man respektieren. In jeder Religion gibt es Gebote und Verbote, die können Sie nicht verändern.

    derStandard.at: Was ist, wenn eine gläubige 16-Jährige die Gebote einhalten will, aber dennoch darunter leidet, weil es sie von ihren Freundinnen isoliert?

    Sanaç: Das Problem gibt es nicht. Das ist total unrealistisch. Außerdem: Es geht nicht ums Schwimmen, sondern ums Sich-Entblößen. Das ist die Vorschrift. Wenn das Mädchen sagt, es zieht einen Ganzkörperanzug an, dann geht es. Und das sollen die Freunde akzeptieren, wenn sie wirklich wahre Freunde sind.

    derStandard.at: Andere sagen, es gebe unterschiedliche Auslegungen des Koran. Wenn ich Ihnen zuhöre, klingt es so, als gebe es nur eine einzige.

    Sanaç: Es gibt Dinge, die man nicht auslegen kann. Das ist wie beim Schweinefleisch. Da gibt es keine Auslegung, das ist Vorschrift. Du darfst nicht lügen – auch eine Vorschrift. Aber es gibt Ausnahmen. Wenn ich in Lebensgefahr bin, darf ich sogar Schweinefleisch essen.

    http://derstandard.at/1310511577313/Neuer-Islam-Praesident-Religioese-Verbote-kann-man-nicht-aendern?seite=27

    Mathias Rohe in Österreich:

    STANDARD: Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor?

    Rohe: Wir brauchen dringend ein muslimisches Bildungssystem von innen heraus, das Musliminnen und Muslimen deutlich machen kann, dass es sehr wohl vereinbar ist, ein guter Österreicher, ein guter Europäer und ein guter Muslim zu sein. Das kann der Islam leisten. Aber es gibt Interpretationen, die dem diametral entgegen stehen, und Einflussnahmen auf Muslime in Europa von außen, die versuchen, sie von uns wegzubewegen. Da ist durchaus was im Gange. Darum dürfen wir das Maß an Distanz nicht so groß werden lassen, dass es in Gegnerschaft umschlagen kann. Aber auch im Regelschulsystem sollte die vielfältige muslimische Lebenswirklichkeit thematisiert werden.

    STANDARD: Was meinen Sie mit islamischem Bildungssystem?

    Rohe: Etwa muslimischen Religionsunterricht. Da hat Österreich schon etwas institutionalisiert, das wir in Deutschland erst langsam planen. Wir müssen an die Jugend heran.

    http://derstandard.at/2460312

    Rückblick erste Lesung, Juni 2011

    29.06.2011
    Nordrhein-Westfalen
    Plenarprotokoll 15/36

    Solf:

    So haben wir, CDU, SPD, Grüne und FDP, seit 2005 in der Parlamentarischen Arbeitsgruppe „Islam-Dialog“ in ehrlicher Gemeinsamkeit an diesem Ziel gearbeitet. Ich danke allen betreffenden Kolleginnen und Kollegen dafür.

    So bringen wir heute, mehrheitlich gemeinsam, diesen Gesetzentwurf in die parlamentarische Beratung ein. …

    Die Einrichtung eines islamischen Religionsunterrichts unter staatlicher Aufsicht ist aber gleichzeitig auch ein Gebot der Klugheit. …

    Unser Interesse ist es auch, den islamischen Religionsunterricht als Tür zur Integration zu verstehen. Wenn wir bekenntnisorientierte Unterweisung aus unseren Schulen ausschließen würden, dann dürften wir uns nicht wundern, wenn diejenigen, die einer so ausgeschlossenen Religion anhängen, das staatliche Schulsystem als fremd empfinden würden. Wer will, dass Religionsgemeinschaften keine Parallelgesellschaften fördern, der muss ihnen aber auf allen Ebenen Teilhabe und Zugang zu unserem durch das Grundgesetz definierten Gemeinwesen geben. …

    Das einigende Band, die Identifikation, die wir erwarten dürfen, ist unser Grundgesetz.

    Und deshalb die Beiratslösung! Der Beirat ist Ersatz, nicht Äquivalent für Religionsgemeinschaft. Religionsunterricht ist keine Bringschuld des Landes. …

    Er ist – ich zitiere von Campenhausen … Er ist „über die für alle gleiche Religionsfreiheit hinaus eine staatliche Begünstigung für Religionsgemeinschaften. Sie müssen durch ihre innere Ordnung und die nachgewiesene Zahl ihrer Mitglieder die verfassungsmäßigen Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört auch der Nachweis des Einstehens für die Verfassungsordnung als Werteordnung.“

    (Beifall von Sigrid Beer [GRÜNE])

    „Zentral sind dabei die Ablehnung von Gewalt, die Anerkennung der Grundrechte, d. h. auch die Anerkennung der Weltlichkeit, d. h. der religiösen Neutralität des Staates, und das Recht des Einzelnen, die Religionszugehörigkeit aufzugeben.“

    Ich hoffe sehr, dass sich der Weg zu einer spezifisch europäischen islamischen Kultur verbreitern wird und dass diejenigen am Wegesrand zurückbleiben, die den Interessen eines anderen Staates oder gar einer Dominanz der Religion über den Staat verpflichtet sind. …

    Denn der islamische Religionsunterricht, den wir mit einer breiten Mehrheit in diesem Hause wollen, ist eben nicht nur Religionskunde. Es soll sich bei ihm, genauso wie beim evangelischen oder katholischen Religionsunterricht, um einen bekenntnisorientierten Unterricht handeln. Es geht nicht nur darum, die Geschichte der Religion zu lernen sowie ihre Gebote und Maxime intellektuell nachzuvollziehen und zu befragen. Es geht auch um das Glauben an sich. In einer Zeit, in der sich kirchliche Veranstaltungen in Deutschland gerne darin erschöpfen, Kerzen von rechts nach links tragen zu lassen und mehr oder weniger weise Fragen der Politik zu behandeln, kann die Implementierung einer nach wie vor kraftvollen Religion, wie es der Islam ist, nicht folgenlos bleiben. Muslime bringen Religion in ein sich entreligionisierendes Europa, bringen Religion, diesen – das hat Karl Marx gesagt – „Seufzer der bedrängten Kreatur“.

    80 % der Weltbevölkerung können als religiös gelten. In unseren unglücklich aufgeklärten Breiten ist das Talent der Transzendenz verkümmert. Da schwimmt man in einem Meer von Relativierungen, und da wird man jetzt konfrontiert mit gläubigen Menschen, die zumeist auf eine viel einfachere Weise glauben.

    Die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts in unseren Schulen wird daher nicht zuletzt – das hoffe ich – auch dazu führen, dass sich nicht nur unsere Kirchen, sondern auch wir alle wieder stärker mit den Kernfragen von Glauben und Religion beschäftigen. Einmal im Herzen unserer Gesellschaft angekommen, wird der Islam nicht nur die christlichen Glaubensgemeinschaften konstruktiv herausfordern, er wird auch der religiös längst indifferenten Mehrheitsgesellschaft einen klaren Spiegel vorhalten.

    Sören Link:

    Es gibt sicherlich Änderungsbedarfe, es gibt offene Fragen, aber – und da stimme ich Herrn Solf ebenfalls zu – wenn es uns gelingen sollte, den islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen gesetzlich zu verankern, wenn es uns gelingen sollte, diesen Weg, so steinig er auch sein mag, tatsächlich zu beschreiten, dann wären wir – zumindest nach meiner Kenntnis – das erste Bundesland in Deutschland mit einer gesetzlichen Grundlage für einen Regelunterricht „Islamische Religion“. Wir haben die große Chance, den Islam, die Vermittlung religiöser Werte aus den von Herrn Solf gerade skizzierten „Hinterhofmoscheen“ hineinzuholen in die Öffentlichkeit, in die Schulen, und zwar unter staatlicher Aufsicht, und wir haben die Chance, diesen Prozess zu beiderseitigem Nutzen voranzutreiben.

    Gunhild Böth (LINKE):

    Vorhin hat Herr Solf etwas über den Religionsunterricht gesagt, was ich – Entschuldigung – korrigieren muss: Der Religionsunterricht als Bekenntnisunterricht ist jedenfalls in den Lehrplänen des Landes Nordrhein-Westfalen kein indoktrinierender Unterricht, in dem einem dann alles vermittelt wird, was diese Religionsgemeinschaft gerne vermitteln möchte, sondern Schülerinnen und Schüler sollen sich vergewissern. Und dieses Vergewissern kann auch dazu führen, dass sie anschließend sagen, nachdem Sie mehr Kenntnisse darüber haben und es reflektiert haben: Das will ich nicht und da will ich gar nicht mehr bei sein. Auch dieses kann eine mögliche Entscheidung von Schülerinnen und Schülern nach dem Lehrplan des Landes Nordrhein-Westfalen sein. Ich würde mich erst einmal kundig machen, bevor ich hier über irgendetwas rede, von dem ich keine Ahnung habe.

    Dann will ich noch etwas zur Zusammensetzung des Beirats sagen. Herr Solf, Sie haben es sonst immer so mit dem Verfassungsschutz. In dem Beirat sind Organisationen wie zum Beispiel Milli Görüs, die unter bestimmten Aspekten auf der Liste des Verfassungsschutzes stehen, vertreten. Sie nehmen einfach hin, dass die Einfluss haben.

    http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMP15-36.html

    http://sigrid-beer.de/userspace/NW/sigrid_beer/Reden/Rede_29-06-11_Islamischer_Religionsunterricht.pdf

  4. Karsten Hilchenbach Says:

    :::

    In Düsseldorf hofft man nun auf eine Übergangslösung, wie sie die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufene Islamkonferenz im Februar 2008 formulierte. Darin heißt es, der Staat könne, solange eine muslimische Organisation noch nicht die Voraussetzungen für eine Religionsgemeinschaft erfülle, mit ihr bereits kooperieren. Damit sei die Erwartung verbunden, dass sie innerhalb einer absehbaren Frist alle Merkmale einer Religionsgemeinschaft unzweifelhaft erfülle. Die islamischen Verbände zogen jedoch ihre Unterschrift unter das Dokument zurück. (…)

    Auch im Landtag hofft man auf eine Einigung im Sinne der Übergangslösung. «Wir hatten dem Koordinierungsrat einen Brief geschrieben mit der Bitte, seine Vorstellungen zu äußern, wie es weitergehen könnte», sagt CDU-Landtagsabgeordneter Michael-Ezzo Solf, der der parlamentarischen Arbeitsgruppe Islam-Dialog vorsitzt. «Wir haben daraufhin eine sehr ausweichende, unbefriedigende Antwort bekommen.»

    Über die Gründe dieses Verhaltens will indes niemand öffentlich spekulieren. Eine Stellungnahme war auf mehrmalige ddp-Anfrage weder vom KRM noch von DITIB zu bekommen.

    aus: Der Westen 04.06.2009

    http://www.derwesten.de/region/rhein_ruhr/schulfach-islamische-religion-kommt-nicht-voran-id360337.html

    :::

  5. Querverweis Says:

    :::

    § 2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule

    (6) Die Schule wahrt Offenheit und Toleranz gegenüber den unterschiedlichen religiösen, weltanschaulichen und politischen Überzeugungen und Wertvorstellungen. Sie achtet den Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. Sie vermeidet alles, was die Empfindungen anders Denkender verletzen könnte. Schülerinnen und Schüler dürfen nicht einseitig beeinflusst werden.

    http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/Schulgesetz.pdf

    Schulgesetz
    für das Land Nordrhein-Westfalen
    (Schulgesetz NRW – SchulG)
    Vom 15. Februar 2005
    (GV. NRW. S. 102)
    zuletzt geändert durch Gesetz vom 14. Februar 2012
    (SGV. NRW. 223)

    http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/Schulgesetz.

    :::

  6. Edward von Roy Says:

    :::

    LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN
    15. Wahlperiode
    Drucksache 15/3582
    20.12.2011
    Datum des Originals: 20.12.2011/Ausgegeben: 20.12.2011

    Entschließungsantrag
    der Fraktion der CDU,
    der Fraktion der SPD und
    der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

    zum Gesetzentwurf Drucksache 15/2209 „Gesetz zur Einführung von islamischem Religi-onsunterricht als ordentliches Lehrfach“

    Islamischer Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen: Jetzt den Anfang machen!

    … Als befristete Übergangslösung ist der neue § 132 a Schulgesetz eine gesetzliche Regelung, auf Grund derer das Ministerium für Schule und Weiterbildung einen bekenntnisorientierten Religionsunterricht allgemein einführen kann, ohne dass sämtliche im Grundgesetz und in der Landesverfassung geregelten Voraussetzungen als vollständig erfüllt angesehen werden. Der Landtag betont in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit, in der nächsten Zukunft noch bestehende religionsverfassungsrechtliche Fragestellungen bezgl. der Verfasstheit der muslimischen Organisationen zu klären. Dies ist auch für eine Gleichbehandlung in anderen Bereichen der Religionsausübung wie z.B. dem Bestattungswesen von großer Bedeutung. Der Landtag begrüßt daher ausdrücklich die in der gemeinsamen Erklärung des Schulministeriums und des Koordinierungsrats der Muslime vom 22. Februar 2011 beschriebene Absicht, eine Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Landesregierung, des Landtages und der organisierten Muslime zur Klärung der Statusfragen einzurichten.

    Der Landtag hat bereits in der fraktionsübergreifenden Integrationsoffensive des Jahres 2001 (Drucksache 13/1345) festgestellt, „die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen unterschiedlicher Kulturen an unserer Gesellschaft erfordert auch die Gleichbehandlung unterschiedlicher Religionen“. Die Landesregierung wurde damals aufgefordert, einen flächendeckenden islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache von hier ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern nach staatlichen Lehrplänen und im Rahmen der staatlichen Schulaufsicht einzuführen. Diese Aussagen gelten heute gleichermaßen.

    Mit dem einstimmigen Beschluss „Der Islam ist ein Teil Deutschlands und Nordrhein-Westfalens“ vom 31. März 2011 (Landtagsdrucksache 15/1652) hat der Landtag darüber hinaus verdeutlicht, dass unverzichtbarer Bestandteil der Einführung islamischen Religions-unterrichts die Achtung und die Anerkennung der im Grundgesetz und in der Landesverfassung genannten Prinzipien und Werte ist. …

    http://www.gruene.landtag.nrw.de/sites/www.gruene.landtag.nrw.de/files/mmd15-3582.pdf

    „Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen unterschiedlicher Kulturen an unserer Gesellschaft erfordert auch die Gleichbehandlung unterschiedlicher Religionen. … Islamischer Religionsunterricht soll in deutscher Sprache von hier ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern nach staatlichen Lehrplänen und im Rahmen der staatlichen Schulaufsicht stattfinden.“

    aus: 22.06.2001, Plenarprotokoll 13/34, 3232 ff.
    bei: Stock, p 118

    http://books.google.de/books?id=F24dOYAcf0gC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

    :::

  7. Querverweis Says:

    :::

    [06.03.2012] Einführung des islamischen Religionsunterrichts zum Schuljahr 2012/2013

    An die
    Grundschulen, die an dem Schulversuch „Islamkunde in deutscher Sprache“ teilnehmen

    nachrichtlich:
    an die Bezirksregierungen und Schulämter

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    am 21. Dezember 2011 hat der Landtag mit einer großen Mehrheit das „Gesetz zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach2 verabschiedet. Für über 320.000 Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens in Nordrhein-Westfalen und ihre Eltern ist das ein wichtiges Zeichen für mehr Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe und eine Möglichkeit, religiöse Bildung im Rahmen der Schule wahrzunehmen.

    Ihre Schule nimmt bereits am Schulversuch „Islamkunde in deutscher Sprache“ teil und setzt damit für die Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens und ihre Eltern ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und Gleichberechtigung. Dafür danke ich Ihnen und möchte Sie zugleich bitten, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

    Ich bitte Sie nachdrücklich um Ihre Unterstützung: Helfen Sie mit, den islamischen Religionsunterricht an Ihrer Schule einzuführen. Er ist für alle ein Gewinn:

    – Für die Schülerinnen und Schüler, die ihre Glaubensfragen nun mit den Mitschülerinnen und Mitschülern und der Lehrkraft erörtern und sich altersgerecht eine eigene Meinung und ein reflektiertes Urteil zu religiösen Themen und Sachverhalten bilden können.
    – Für die Eltern, die Schule nun noch mehr als Lern- und Lebensort für ihre Kinder wahrnehmen und sich noch mehr mit der Schule identifizieren können.
    – Für die Lehrerinnen und Lehrer, die noch mehr als bisher auf die kulturellen Ressourcen und Potentiale Ihrer Schülerinnen und Schüler zurückgreifen können.

    Zurzeit werden von einer Arbeitsgruppe die Lehrpläne erarbeitet. Gleichwohl soll der islamische Religionsunterricht schon zum Schuljahr 2012/2013 an ausgewählten Schulen eingeführt werden. Anschließend sollen zunehmend weitere Schulen gewonnen werden, ab dem Schuljahr 2013/2014 auch Schulen der Sekundarstufe I. Der islamische Religionsunterricht löst dann schrittweise den bisherigen Islamkundeunterricht ab.

    Sie können den islamischen Religionsunterricht einrichten, wenn mindestens zwölf Schülerinnen und Schüler dieses Bekenntnisses teilnehmen – dabei können Lerngruppen jahrgangsübergreifend zusammengeführt werden. Auch eine Kooperation mit den Nachbarschulen ist in Absprache mit der Islamkundelehrkraft denkbar.

    Islamischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach mit wöchentlich zwei Unterrichtsstunden. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Wer angemeldet ist, ist grundsätzlich zur regelmäßigen Teilnahme verpflichtet.

    Die Eltern müssen bei der Schulanmeldung erklären, dass ihr Kind muslimisch ist und an dem Unterricht teilnehmen soll. Danach ist eine Schülerin oder ein Schüler von der Teilnahme an dem islamischen Religionsunterricht nur auf Grund der Erklärung der Eltern oder – bei Religionsmündigkeit ab vollendetem 14. Lebensjahr – auf Grund eigener Erklärung befreit.

    Die Islamkundelehrkräfte werden gebeten, beim Beirat als dem Kooperationspartner des Landes in religiösen Belangen formlos und schriftlich die Lehrerlaubnis für das Fach „islamische Religionslehre“ zu beantragen. Vorläufiger Ansprechpartner ist der Geschäftsführer des Beirats: ahmet@uenalan.com. Die Zuteilung der Lehrerlaubnis ist Voraussetzung für die Teilnahme an einer dienstlichen Unterweisung, in der die theologischen und religionspädagogischen Inhalte des neuen Unterrichtsfachs thematisiert werden. Weitere Informationen dazu finden Sie im Anhang.

    Der islamische Religionsunterricht wird thematisch vorläufig auf der Grundlage des Lehrplans „Grundschule. Islamkunde in deutscher Sprache. Klasse 1 bis 4. Schule in NRW Heft Nr. 2011“ erteilt, bis die regulären Lehrpläne in Kraft gesetzt sind.

    Im Anhang finden Sie zur Erleichterung Ihrer Arbeit weiterführende Informationen und den Entwurf eines Informationsschreibens für die Eltern von Grundschülerinnen und Grundschülern muslimischen Glaubens.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sylvia Löhrmann
    Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

    http://www.schulministerium.nrw.de/SV/Schulmail/Archiv/1203062/

    im Anhang, s. Kasten oben rechts, finden sich, abgerufen und gesichert am 21. Juni 2012, vier Texte

    Anlage(n)
    Pfeil rechts
    Erlasstext IRU [doc-Datei: 22 kByte]
    Pfeil rechts
    Gesetzestext IRU [pdf-Datei: 143 kByte]
    Pfeil rechts
    Informationen für die Schulämter und Schulleitungen [doc-Datei: 26 kByte]
    Pfeil rechts
    Informationsschreiben für die Eltern [doc-Datei: 21 kByte]

    :::
    :::

    Anlage(n)

    Erlasstext IRU

    Einführung des islamischen Religionsunterrichts

    1. Für Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens wird ab dem Schuljahr 2012/2013 der islamische Religionsunterricht zunächst für die Klassen 1 bis 4, ab dem Schuljahr 2013/2014 für die Klassen 5 bis 10, schrittweise eingeführt. In der einzelnen Schule ist Religionsunterricht grundsätzlich einzurichten und zu erteilen, wenn mindestens zwölf Schülerinnen und Schüler dieses Be¬kenntnisses teilnehmen und die personellen und sächlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

    2. Islamischer Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach mit wöchentlich zwei Unterrichtsstunden. Wer angemeldet ist, ist grundsätzlich zur regelmäßigen Teilnahme verpflichtet. Die Leistungen einer Schülerin oder eines Schülers sind entsprechend der Vorgaben der Ausbildungsordnung versetzungswirksam.

    3. Der Unterricht wird von Lehrkräften muslimischen Glaubens im Dienst des Landes erteilt, die hierzu bereit und geeignet sind. Sie werden dafür in der Regel in Lehrgängen der Bezirksregierungen fortgebildet. Anfallende Reisekosten trägt die Bezirksregierung. Über die Auswahl der Lehrkräfte entscheidet die Schulaufsicht. Ihre förmliche Bevollmächtigung gemäß § 31 Absatz 3 SchulG (BASS 1 – 1) erfolgt durch den Beirat gemäß § 132 a Absatz 4 SchulG.

    4. Die Unterrichtssprache ist Deutsch.

    5. Der islamische Religionsunterricht wird thematisch vorläufig auf der Grundlage des Lehrplans „Grundschule. Islamkunde in deutscher Sprache. Klasse 1 bis 4. Schule in NRW Heft Nr. 2011“ und des Lehrplans „Sekundarstufe I. Islamkunde in deutscher Sprache. Klasse 5 bis 10. Schule in NRW Heft Nr. 5019“ erteilt, bis die regulären Lehrpläne in Kraft gesetzt sind.

    6. Schulbücher bedürfen der Genehmigung durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung.

    Dieser Runderlass tritt zum 1. 8. 2012 in Kraft. Er wird in Schule NRW veröffentlicht.

    In Vertretung

    Ludwig Hecke
    Staatssekretär

    :::

    Gesetzestext IRU

    Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach (7. Schulrechtsänderungsgesetz)
    Vom 22. Dezember 2011

    Der Landtag hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

    Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach (7. Schulrechtsänderungsgesetz)

    Artikel 1
    Das Schulgesetz NRW vom 15. Februar 2005(GV. NRW. S.102), zuletzt geändert durch Gesetz vom 25. Oktober 2011(GV. NRW. S.540), wird wie folgt geändert:

    1. In der Inhaltsübersicht wird nach § 132 eingefügt:
    „§ 132 a Übergangsvorschrift zur Einführung von islamischem Religionsunterricht“.
    2. Nach § 132 wird folgender § 132 a eingefügt:
    „§ 132 a Übergangsvorschrift zur Einführung von islamischem Religionsunterricht

    (1) Besteht auf Grund der Zahl der in Betracht kommenden Schülerinnen und Schüler Bedarf, islamischen Religionsunterricht im Sinne von § 31 einzuführen, aber noch keine entsprechende Religionsgemeinschaft im Sinne von Artikel 14 und 19 Landesverfassung und Artikel 7 Absatz 3 Grundgesetz, kann das Ministerium übergangsweise bei der Einführung und Durchführung mit einer Organisation oder mehreren Organisationen zusammenarbeiten, die Aufgaben wahrnehmen, die für die religiöse Identität ihrer Mitglieder oder Unterorganisationen wesentlich sind oder die von diesen für die Durchführung des Religionsunterrichts bestimmt worden sind. Die Organisationen müssen eigenständig, bei der Zusammenarbeit staatsunabhängig sein und die Gewähr dafür bieten,

    1. dem Land bei der Veranstaltung des Religionsunterrichts auf absehbare Zeit als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen,
    2. die in Artikel 7 Absatz 3 Grundgesetz umschriebenen Verfassungsprinzipien, die dem staatlichen Schutz anvertrauten Grundrechte der Schülerinnen und Schüler sowie die Grundprinzipien des freiheitlichen Religions- und Staatskirchenrechts des Grundgesetzes zu achten.
    Vertreten mehrere Organisationen das gleiche Bekenntnis oder verwandte Bekenntnisse, soll das Ministerium eine Zusammenarbeit mit ihnen gemeinsam anstreben.

    (2) Wenn islamischer Religionsunterricht nach Absatz 1 in einer Ausbildungs- und Prüfungsordnung vorgesehen und an einer Schule eingerichtet ist, nehmen die Schülerinnen und Schüler daran teil, deren Eltern bei der Schulanmeldung schriftlich erklärt haben, dass ihr Kind muslimisch ist und an dem islamischen Religionsunterricht nach Absatz 1 teilnehmen soll.

    (3) Eine Schülerin oder ein Schüler ist von der Teilnahme an dem islamischen Religionsunterricht nach Absatz 1 auf Grund der Erklärung der Eltern oder – bei Religionsmündigkeit – auf Grund eigener Erklärung befreit. Die Erklärung ist der Schule schriftlich zu übermitteln.

    (4) Das Ministerium bildet einen Beirat, der die Anliegen und die Interessen der islamischen Organisationen bei der Einführung und der Durchführung des islamischen Religionsunterrichts nach Absatz 1 als ordentliches Unterrichtsfach vertritt. Der Beirat stellt fest, ob der Religionsunterricht den Grundsätzen im Sinne des Artikels 7 Absatz 3 Satz 2 Grundgesetz entspricht. Er ist an der Erstellung der Unterrichtsvorgaben, der Auswahl der Lehrpläne und Lehrbücher und der Bevollmächtigung von Lehrerinnen und Lehrern zu beteiligen. Eine ablehnende Entscheidung ist nur aus religiösen Gründen zulässig, die dem Ministerium schriftlich darzulegen sind.

    (5) Der Beirat setzt sich wie folgt zusammen:

    1. vier theologisch, religionspädagogisch oder islamwissenschaftlich qualifizierte Vertreterinnen und Vertreter der organisierten Muslime, die von den islamischen Organisationen in Nordrhein-Westfalen oder von deren Zusammenschluss bestimmt werden,
    2. vier weitere Vertreterinnen und Vertreter, und zwar jeweils zwei theologisch, religionspädagogisch oder islamwissenschaftlich qualifizierte muslimische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zwei muslimische Religionsgelehrte, die vom Ministerium im Einvernehmen mit den islamischen Organisationen in Nordrhein-Westfalen oder deren Zusammenschluss bestimmt werden.

    Er wählt aus seiner Mitte eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden.

    (6) Die Amtszeit der Mitglieder beträgt drei Jahre. Ihre Tätigkeit erfolgt ehrenamtlich. Reisekosten werden in Anwendung der landesrechtlichen Bestimmungen erstattet. Sie erhalten außerdem eine vom Ministerium festzusetzende Aufwandsentschädigung.

    (7) Der Beirat gibt sich eine Geschäftsordnung. Für Beschlüsse ist die Mehrheit der Mitglieder erforderlich. Die Geschäftsführung übernimmt eine vom Ministerium im Benehmen mit dem Beirat benannte Person.“

    Artikel 2
    Inkrafttreten

    Dieses Gesetz tritt am 1. August 2012 in Kraft. Es tritt am 31. Juli 2019 außer Kraft. Die Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Das Ministerium berichtet dem Landtag darüber bis zum 31. Juli 2018.

    Düsseldorf, den 22. Dezember 2011
    Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen

    Die Ministerpräsidentin
    Hannelore K r a f t
    (L. S.)
    Die Ministerin für Schule und Weiterbildung
    Sylvia L ö h r m a n n
    Der Finanzminister
    Dr. Norbert W a l t e r-B o r j a n s
    Der Minister für Arbeit, Integration und Soziales
    Guntram S c h n e i d e r
    Die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung
    Svenja S c h u l z e
    GV. NRW. 2011 S.728

    :::

    Informationen für die Schulämter und Schulleitungen

    Informationen für die Schulämter und Schulleitungen der Grundschulen zur Einführung des islamischen Religionsunterrichts

    Nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes und nach Artikel 14 der Landesverfassung NRW ist der Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.

    Der Religionsunterricht wird bisher für Schülerinnen und Schüler katholischen, evangelischen, syrisch-orthodoxen, orthodoxen, jüdischen und alevitischen Glaubens angeboten – und ab dem 1. August 2012 auch für muslimische Schülerinnen und Schüler. In Nordrhein-Westfalen leben knapp 1,5 Millionen Muslime. Es gibt 328.000 Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens.

    Das „Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach (7. Schulrechtsänderungsgesetz)“ wurde vom Landtag am 21. Dezember 2011 mit einer großen Mehrheit verabschiedet. Es tritt am 1. August 2012 in Kraft.

    Das Gesetz sieht vor, dass das Ministerium als zeitlich befristete Übergangslösung einen achtköpfigen Beirat bildet, der – so heißt es im Gesetz – „die Anliegen und die Interessen der islamischen Organisationen bei der Einführung und der Durchführung des islamischen Religionsunterrichts (…) vertritt“.

    Vier Mitglieder entsenden die islamischen Organisationen in Nordrhein-Westfalen, vier weitere Mitglieder werden vom Ministerium im Einvernehmen mit den islamischen Organisationen bestimmt. Es sind Expertinnen und Experten für die Bereiche islamische Theologie und Religionsdidaktik. Der Beirat ist an der Erstellung der Unterrichtsvorgaben, der Auswahl der Lehrpläne und Lehrbücher und an der Bevollmächtigung von Lehrerinnen und Lehrern beteiligt.

    Der islamische Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach mit wöchentlich zwei Unterrichtsstunden. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Dieser Unterricht kann nicht von Herkunftssprachenlehrkräften und nicht im Rahmen des herkunftssprachlichen Unterrichts erteilt werden. Der islamische Religionsunterricht soll im Stundenplan parallel zu den anderen Religionsstunden angeboten werden.

    Der Einführungserlass sieht vor, den islamischen Religionsunterricht schrittweise einzuführen, sofern an den Schulen die personellen und sächlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

    Ziel ist, zum 1. August 2012 die Möglichkeiten zu schaffen, an den Grundschulen mit dem islamischen Religionsunterricht zu starten, wenn

    – die Schule bereits jetzt am Schulversuch „Islamkunde in deutscher Sprache“ teilnimmt und/ oder
    – eine Islamkundelehrkraft sich bereit erklärt, den Unterricht durchzuführen und sie/er dazu die Unterrichtserlaubnis des Beirats erhält und
    – mindestens 12 Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens an dem Unterricht teilnehmen.

    Die Schulleitungen werden gebeten, in Absprache mit den Islamkundelehrkräften und den Eltern von Schülerinnen und Schülern muslimischen Glaubens, den Islamkundeunterricht ab dem Schuljahr 2012/2013 in den islamischen Religionsunterricht zu überführen. Mit dem Zeitpunkt der Überführung entfällt das Fach „Islamkunde“.

    Schulen, die den islamischen Religionsunterricht einrichten, zeigen das dem zuständigen Schulamt, der Bezirksregierung und dem Ministerium an. Die Lehrkräfte, die den islamischen Religionsunterricht erteilen werden, müssen sich schriftlich formlos beim Beirat um die Erteilung der Lehrerlaubnis bewerben (per Mail an die Geschäftsführung: ahmet@uenalan.com) und werden – vorbehaltlich der Zuteilung der Lehrerlaubnis – eine dienstliche Unterweisung in Form eines zweitägigen Blockseminars erhalten. Die dienstliche Unterweisung findet im MSW, Dienstort Soest, Paradieser Weg 64, 59494 Soest von Freitag, 29. Juni 2012, 15:00 Uhr bis Samstag, 30. Juni 2012, 17:00 Uhr statt. Hierzu bedarf es einer verbindlichen Anmeldung per Mail an die Geschäftsführung des Beirats.

    Der islamische Religionsunterricht wird zunächst ohne einen gültigen Lehrplan erteilt. Der Lehrplan wird frühestens zum 1. August 2013 in Kraft treten.

    Die Texte des Gesetzes und des Einführungserlasses sind beigefügt.

    :::

    Informationsschreiben für die Eltern

    Informationsschreiben für die Eltern von Grundschülerinnen und Grundschülern muslimischen Glaubens

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    liebe Eltern,

    zum 1. August 2012 kann an den Schulen in Nordrhein-Westfalen der islamische Religionsunterricht erteilt werden. Damit setzt das Land ein wichtiges Zeichen für die Wertschätzung des Islam und für die Gleichberechtigung von Schülerinnen und Schülern muslimischen Glaubens.

    Es ist für Kinder muslimischen Glaubens wichtig, in der Schule über ihren Glauben zu sprechen und von den Religionslehrerinnen und Religionslehrern Antworten auf ihre Fragen zu der Botschaft des Korans, zum Propheten Muhammed und nach dem Sinn der Dinge und des Lebens zu erhalten.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie auch Ihrem Kind die Möglichkeit geben, den islamischen Religionsunterricht zu besuchen. Dazu müssen Sie schriftlich erklären, dass Ihr Kind muslimisch ist und an dem islamischen Religionsunterricht teilnehmen soll. Wer angemeldet ist, ist grundsätzlich zur regelmäßigen Teilnahme verpflichtet. Wenn Ihr Kind am islamischen Religionsunterricht nicht mehr teilnehmen soll, können Sie es durch eine schriftliche Erklärung gegenüber der Schule davon befreien lassen.

    Der islamische Religionsunterricht ist ordentliches Lehrfach mit wöchentlich zwei Unterrichtsstunden. Die Leistungen Ihres Kindes in dem Fach sind versetzungswirksam.

    Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Alle Lehrerinnen und Lehrer sind Muslime und werden von einem muslimischen Beirat bevollmächtigt, den Unterricht erteilen zu dürfen. Der Staat hat die Aufsicht über den Unterricht, erstellt die Lehrpläne und entscheidet über die Zulassung von Lernmitteln (z.B. Schulbücher).

    Die Lehrerinnen und Lehrer stehen Ihnen für Fragen zur Verfügung und erteilen Ihnen gerne weitere Auskünfte.

    :::

  8. Querverweis Says:

    Niedersachsen,
    Idschaza (Islamische Lehrbefugnis)

    :::

    Fragekatalog für das Gespräch nach § 4, Abs. 1

    Die hier aufgelisteten Punkte stellen einen Gesprächsleitfaden dar für das persönliche Ge-spräch nach § 4 (1) der Ijaza-Ordnung. Hiermit soll der Ijaza-Kommission die Möglichkeit gegeben werden, die Lehrkraft selbst, ihre Motivation und ihre religiöse Einstellung ken-nenzulernen bzw. ihre Religiosität festzustellen.

    Die Grundlagen der Religion definieren sich aus der Göttlichen Offenbarung im Qur‘an und der Lebensweise des Propheten Muhammed (s.a.s.)

    1. Standort derer, die den IRU erteilen.
    2. Der Islam wird aus dem Bekenntnis heraus wahrgenommen und gelehrt.
    Die Lehrkraft
    3. vertritt den Islam vorbildlich und glaubhaft,
    4. verinnerlicht die rechte islamische Lehre,
    5. hat eine angemessene Lebensführung, die nicht im Widerspruch zu den allgemeinen Lehren des Islam steht,
    6. erklärt ihre Motivation zum Beruf in Bezug auf den IRU,
    7. äußert sich zu ihrem schulischen Werdegang,
    8. erläutert ihr geleistetes Praktikum in einer Moschee,
    9. erläutert ihre Einbindung das religiöse Gemeindeleben,
    10. spricht über ihre Erfahrung und Kenntnisse der islamischen Lehre in deutscher Sprache und derer Bedeutung in der Integration,
    11. ggf. berichtet sie von ihrer Hajj bzw. Umra,
    12. stellt ihre Position zum Umfang der Geltung der Scharia für die muslimische Minderheitsgesellschaft in Deutschland klar,
    13. berichtet von ihren Erfahrungen im interreligiösen Dialog.
    14. Was macht dich als Muslim aus?

    http://hannibalnur.wordpress.com/2012/02/24/die-ijaza-ordnung-niedersachsens/

    Voraussetzung für eine Lehrbefähigung zum IRU ist daher das Bekenntnis zum Islam und die Selbstverpflichtung, den Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Lehren des Islam zu erteilen, ebenso die Kenntnis islamischen Gemeindelebens in der vorhandenen Gesellschaft und die Anerkennung der eigenen Vorbildfunktion insbesondere im schulischen Kontext. Die Lehrkraft ist sich ihrer Rolle als Repräsentantin des Islam im schulischen Kollegium bewusst und vertritt ihren Glauben vorbildhaft und glaubwürdig. Die Ijaza ist daher auch Beleg über die Verinnerlichung rechter islamischer Lehre, die guten Sitten, die Einbindung in eine muslimische Gemeinschaft und die beobachtete Orthopraxie der Lehrkraft. Die Vorbildfunktion seitens der Lehrkraft erweitert sich auch auf eine angemessene Lebensführung, die nicht im Widerspruch steht zu den allgemeinen Lehren des Islam.

    Der Beirat möchte mit der Ijaza in der hier vorliegenden Form den künftigen Lehrkräften einen Vertrauensvorschuss geben; sie sollen ihren Weg finden, darauf ihre Lehrtätigkeit konstruktiv aufbauen zu können.

    Nach dem Grundsatz des lebenslangen Lernens wird der Beirat durch seine Mitglieder den Lehrkräften berufsbegleitende Praktika und Fortbildungen in islamischen Einrichtungen des Gemeindelebens, der islamischen Lebenshilfe und Bildungsarbeit ermöglichen. Veranstaltungen werden zu Beginn eines jeden Schuljahres1 unter Angabe von Termin, Ort, Referenten und Thema bekannt gegeben.

    :::
    :::

    ihrer „Verinnerlichung guter Sitten“

    ihrer „sittlichen islamischen Kleidung“

    http://cms.izir.de/joomla/images/stories/zrli_06_2_heft_11.pdf

    :::

  9. Querverweis Says:

    ::

    Der Beirat für den Islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen
    IJAZA-ORDNUNG
    (Lehrerlaubnis für Lehrkräfte des Unterrichtsfachs Islamische Religion)

    an öffentlichen und freien Schulen in Niedersachsen
    des

    Beirats für den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen, gebildet von Schura Niedersachsen – Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V. und DITIB Landesverband Niedersachsen-Bremen e.V.

    Präambel
    Gemäß Artikel 7 Abs. 3 des GG sowie §§ 124 ff des Niedersächsischen Schulgesetzes ist Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ordentliches Lehrfach. Er wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.

    Zur Erteilung von Islamischem Religionsunterricht bedürfen die entsprechenden Lehrkräfte einer besonderen Bevollmächtigung der Religionsgemeinschaften. Wer nach Abschluss des Studiums Islamischer Theologie einschließlich Islamischer Religionspädagogik und des entsprechenden Referendariats oder eines anderen gleichwertigen Abschlusses als islamische Religionslehrkraft einen Lehrauftrag an öffentlichen Schulen oder freien Schulen in Niedersachsen anstrebt, benötigt eine Lehrerlaubnis, die seitens des Beirates erteilt wird. Das geschieht durch eine schriftlich erteilte Bevollmächtigung, im Folgenden „Ijaza“ genannt. Das Bundesland Niedersachsen setzt nur solche Lehrkräfte im Islamischen Religionsunterricht ein, die vom Beirat die Lehrerlaubnis erhalten haben.

    Begriffserläuterung: Ijaza(h) (Idscháza) bezeichnet die Erlaubnis und das Zertifikat, islamische Lehre weiterzugeben. Sie dokumentiert die erhaltene Ausbildung nebst bearbeiteter Bücher und Texte und benennt den erteilenden Lehrer. Sie wird traditionell durch den persönlichen Lehrer, der selber Inhaber eine Ijaza ist, seinem Schüler erteilt und hat ihre Wurzeln in der Akkuratesse der mündlichen Weitergabe autorisierter religiöser Texte.

    Im Kontext dieser Ijaza-Ordnung für Niedersachsen entspricht sie den religionsverfassungsrechtlichen Anforderungen des Religionsunterrichts in Deutschland bzw. Niedersachsen als einer res mixta in gemeinsamer Verantwortung von Religionsgemeinschaft, hier vertreten durch den Beirat, und Staat. Ihre Erteilung setzt die universitäre Lehrbefähigung für den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen voraus. Umgekehrt ermächtigt diese Ijaza nicht zur Lehrweitergabe im klassischen Kontext islamischer Ausbildung außerhalb Niedersachsens oder innerhalb sufisch-religiöser Gemeinschaften. SCHURA Niedersachsen Landesverband der Muslime in Niedersachsen e.V.

    DITIB LANDESVERBAND der Islamischen Religionsgemeinschaften

    Die Grundlagen der islamischen Religion definieren sich aus der göttlichen Offenbarung im Qur’an und der Lebensweise des Propheten Muhammed (s.a.s.). Der Islam ist nicht nur Gegenstand des Unterrichts, sondern bestimmt auch den Standort derer, die ihn erteilen.

    Insbesondere die Lebenswelt und die religiösen Rahmenbedingungen der Kinder und Jugendlichen sind Korrelationsebene im Islamischen Religionsunterricht. Der Islam ist hier nicht nur Gegenstand des Unterrichts, sondern er wird aus dem Bekenntnis heraus wahr-genommen und gelehrt.

    Voraussetzung für eine Lehrbefähigung zum IRU ist daher das Bekenntnis zum Islam und die Selbstverpflichtung, den Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Lehren des Islam zu erteilen, ebenso die Kenntnis islamischen Gemeindelebens in der vorhandenen Gesellschaft und die Anerkennung der eigenen Vorbildfunktion insbesondere im schulischen Kontext. Die Lehrkraft ist sich ihrer Rolle als Repräsentantin des Islam im schulischen Kollegium bewusst und vertritt ihren Glauben vorbildhaft und glaubwürdig. Die Ijaza ist daher auch Beleg über die Verinnerlichung rechter islamischer Lehre, die guten Sitten, die Einbindung in eine muslimische Gemeinschaft und die beobachtete Orthopraxie der Lehrkraft. Die Vorbildfunktion seitens der Lehrkraft erweitert sich auch auf eine angemessene Lebensführung, die nicht im Widerspruch steht zu den allgemeinen Lehren des Islam.

    Der Beirat möchte mit der Ijaza in der hier vorliegenden Form den künftigen Lehrkräften einen Vertrauensvorschuss geben; sie sollen ihren Weg finden, darauf ihre Lehrtätigkeit konstruktiv aufbauen zu können.

    Nach dem Grundsatz des lebenslangen Lernens wird der Beirat durch seine Mitglieder den Lehrkräften berufsbegleitende Praktika und Fortbildungen in islamischen Einrichtungen des Gemeindelebens, der islamischen Lebenshilfe und Bildungsarbeit ermöglichen. Veranstaltungen werden zu Beginn eines jeden Schuljahres1 unter Angabe von Termin, Ort, Referenten und Thema bekannt gegeben.

    § 1 Geltungsbereich Diese Ijaza-Ordnung regelt für die islamischen Religionsgemeinschaften in Niedersachsen durch ihren gemeinsamen Beirat die Anforderungen an die Lehrkräfte sowie das Verfahren der Erteilung der Ijaza – und auch deren ggf. erforderlich werdenden Aberkennung – zur Durchführung des islamischen Religionsunterrichts in Niedersachsen in allen Stufen der staatlichen Schulen.

    Der Wohnort der Lehrkraft ist nicht entscheidend. Für den islamischen Religionsunterricht an Schulen in freier Trägerschaft kann die Ijaza aufgrund Verlangens der Lehrkraft erteilt werden.

    § 2 Verfahren Der Beirat tritt zur Ijaza-Prüfung i.d.R. halbjährlich zusammen außerhalb der Schulferien; die Sitzungstermine werden zu Jahresbeginn in http://www.Beirat-IRU-N.de veröffentlicht.

    Zwischen der Vorlage eines bescheidungsfähigen Antrages nach § 3 und der Aushändigung des Bescheides nach § 5 sollen drei Monate nicht überschritten werden.
    Entscheidungen erfolgen nach dem Beiratsstatut einstimmig. Über die Entscheidungen wird ein Ergebnisprotokoll gefertigt und durch die Unterschrift des Geschäftsführers bestätigt. Über alle Anträge, personenbezogenen Beratungen und Gespräche sowie die Entscheidungsgründe besteht Verschwiegenheitspflicht und wird Vertraulichkeit gewahrt.

    Die Vorgänge werden i.d.R. für dreißig Jahre archiviert, mindestens aber für die Dauer der Dienstzeit der Lehrkraft zzgl. fünf Jahre, soweit Rechtsvorschriften keine kürzere Aufbewahrungsfrist vorsehen.

    Antrag und Bescheid ergehen schriftlich. Die Beteiligten stellen ihre elektronische Erreichbarkeit untereinander und gegenüber der Geschäftsführung des Beirats sicher.

    Zur Regelung des Verfahrens gibt sich der Beirat eine Geschäftsordnung.

    § 3 Antrag Grundlage für die Erteilung der Ijaza ist ein formgebunder Antrag1 der Lehrkraft an den Bei-rat mit folgenden Angaben und Nachweisen:

    a. Angaben zur Person, Geburtsort, Personenstand und Kinder,

    b. ein Lebenslauf, der auch auf den religiösen Werdegang eingeht, eine Selbstverpflichtungserklärung sowie eine schriftliche Äußerung, die auf die Motivation zum Beruf in Bezug auf den islamischen Religionsunterricht eingeht,

    c. Studium des Lehramtes und der islamischen Religionspädagogik sowie alle für die Ijaza relevanten Schul-, sonstige Hochschul- und Bildungsabschlüsse und erfolgreicher Abschluss der 2. Staatsprüfung mit vorläufiger Ijaza nach § 7 (Nachweise durch beglaubigte Zeugniskopien; ausländische Abschlüsse bedürfen des Anerkennungsnachweises durch eine deutsche Universität),

    d. Praktikum gemäß Studien-Lehrplan in einer Moschee in Deutschland (nicht für berufsbegleitenden Masterstudiengang IRP),

    e. die Einbindung in das religiöse Leben der islamischen Gemeinschaft wird vorausgesetzt; sie wird durch ein deutschsprachiges Empfehlungsschreiben – auch als Vordruck – des gewählten Vorstandes und des Imams einer Moschee in Deutschland über das Bekenntnis zum Islam – ggf. auch als Konversionsurkunde – sowie über eine fortwährende Lebensweise nach der rechten islamischen Lehre und den guten Sitten nachgewiesen; der Beirat kann ggf. die Beibringung ergänzender Unterlagen verlangen;

    f. für männliche Bewerber: Angabe der zum Freitagsgebet i.d.R. aufgesuchten Moschee und deutschsprachiges Manuskript einer dort gehaltenen selbst ausgearbeiteten Khutba,

    g. für weibliche Bewerber: Angabe der üblicherweise aufgesuchten Moschee und Glaubhaftmachung der Beteiligung an der Gemeindearbeit

    h. weiterhin eine Erklärung der Lehrkraft, dass sie den Unterricht im Fach Islamische Religion nach dem islamischen Bekenntnis, dem geltenden Kerncurriculum des Niedersächsischen Kultusministeriums und in deutscher Sprache halten wird.

    § 4 Gespräch (1) Spätestens zehn Tage nach Eingang des bescheidungsfähigen Antrages lädt der Beirat zum Gespräch. Das Gespräch – seine Inhalte sind strikt vertraulich – geht regelmäßig auf folgende Fragen ein: Berufsmotivation, eigene theologische (in Bezug auf die sechs Pfeiler des Islam) und pädagogische Verortung, eigene religiöse Praxis in Bezug auf die fünf Säulen des Islam, eigene Positionen zum Umfang der Geltung der Scharia in Deutschland sowie /zum und/ Erfahrungen im interreligiösen Dialog. Über die Frageninhalte gibt sich der Beirat einen regelmäßigen Katalog (Anhang 3).

    (2) Über das Gespräch wird je ein von allen Beteiligten zu unterzeichnendes Verlaufsprotokoll gefertigt.

    § 5 Bescheid Die Ijaza wird bei Vorliegen aller Voraussetzungen und ohne Nebenbestimmungen erteilt. Sie gilt unbefristet. Sie wird in Gestalt einer Urkunde nach dem Freitagsgebet der Lehrkraft in einer Moschee in Hannover persönlich ausgehändigt. Die Landesschulbehörde erhält eine Durchschrift.

    Ist die Erteilung der Ijaza abzulehnen, teilt dies der Beirat der Lehrkraft unter Angabe der Ablehnungsgründe zuvor schriftlich mit und gibt Gelegenheit zur Stellungnahme und zum Gespräch. Ein ablehnender Bescheid ist unter genauer Angabe der Versagungsgründe der Lehrkraft mit Durschrift an die Landesschulbehörde zuzustellen.

    Der Bescheid ist entgeltpflichtig. Höhe und Fälligkeit des Entgeltes, das die gesamten Verfahrenskosten abdeckt, werden durch eine Entgeltordnung vom Beirat festgesetzt und jeweils zu Jahresbeginn bekanntgegeben1.

    § 6 Aberkennung Der Beirat hat das Recht, die Ijaza zu entziehen, wenn er – etwa durch Visitation nach § 126 NSchG – zu der Auffassung gelangt, dass die Lehrkraft von den angegebenen Kriterien dauerhaft oder in schwerwiegender Weise abgewichen ist, d.h. die Anerkennung der Anforderungen nach § 3 für sich nicht mehr als verbindlich ansieht. Für das Verfahren gilt § 5 Abs. 2 entsprechend. Der Entzug ist der Lehrkraft, der Landesschulbehörde und der Schule schriftlich mit Angabe des Zeitpunktes des Wirksamwerdens mitzuteilen. Die Ijaza erlischt weiterhin, wenn die Lehrkraft sie zurückgibt.

    § 7 Befristete Ijaza für die Zeit der Ausbildung Der Antrag ist auf dem dafür vorgehaltenen besonderen Formblatt1 spätestens vier Wochen vor Beginn einer Lehr- oder lehrbegleitenden Tätigkeit dem Beirat vorzulegen. Das Verfahren entspricht demjenigen zur Erteilung der unbefristeten Ijaza unter Fortfall des Gesprächs und der besonderen Form der Aushändigung. Der Antrag wird bei Vorliegen der Voraussetzungen nach § 3 binnen vier Wochen erteilt. Die befristete Ijaza erlischt mit dem bestandenen 2. Staatsexamen.

    § 8 Evaluation Mit der Ijaza wird für den Islam in Deutschland und dessen Bildungswesen Neuland betreten. Diese Ijaza-Ordnung wird deshalb nach Ablauf von fünf Jahren einer Evaluation und ggf. einer Anpassung unterzogen. Mitglieder des Beirates können bei grundsätzlichen Problemen eine Überprüfung dieser Ijaza-Ordnung verlangen.

    § 9 Inkrafttreten Diese Ijaza-Ordnung tritt in Kraft, sobald das niedersächsische Kultusministerium schriftlich mitteilt, dass diese Ordnung im Einklang mit rechtlichen Vorgaben steht. Sie wird außen-wirksam mit Veröffentlichung im Schulverwaltungsblatt.

    § 10 Salvatorische Klausel Sollte eine Bestimmung dieser Ordnung unwirksam sein, wird die Wirksamkeit der übrigen Bestimmungen davon nicht berührt. Die Mitglieder des Beirates verpflichten sich, anstelle einer unwirksamen Bestimmung eine dieser Bestimmung möglichst nahekommende wirk-same Regelung unverzüglich zu treffen.

    § 11 Kündigungsfrist Diese Ijaza-Ordnung hat eine Kündigungsfrist von sechs Monaten; die Ordnung wirkt so-lange nach, bis durch den Beirat eine neue Ijaza-Ordnung beschlossen ist.

    1 ( download unter http://www.Beirat-IRU-N.de )

    * * * * *
    Beschlossen: Hannover, den 19. Dezember 2011
    Avni Altiner (SCHURA Niedersachsen e. V.)
    Yilmaz Kilic (DITIB Niedersachsen-Bremen e. V.)

    Fassung vom 27.01.2012
    * * * * *

    Quelle:
    http://beirat-iru-n.de/app/download/5780358776/Ijaza-Ordnung+Niedersachsen+Fssg+27.01.12.pdf

    Anlagen
    1. Antrag auf unbefristete Erteilung der Ijaza
    2. Antrag auf befristete Erteilung der Ijaza
    3. Fragekatalog für das Gespräch nach § 4, Abs. 1
    :::
    Fragekatalog für das Gespräch nach § 4, Abs. 1

    Die hier aufgelisteten Punkte stellen einen Gesprächsleitfaden dar für das persönliche Gespräch nach § 4 (1) der Ijaza-Ordnung. Hiermit soll der Ijaza-Kommission die Möglichkeit gegeben werden, die Lehrkraft selbst, ihre Motivation und ihre religiöse Einstellung kennenzulernen bzw. ihre Religiosität festzustellen.

    Die Grundlagen der Religion definieren sich aus der Göttlichen Offenbarung im Qur‘an und der Lebensweise des Propheten Muhammed (s.a.s.)

    1. Standort derer, die den IRU erteilen.

    2. Der Islam wird aus dem Bekenntnis heraus wahrgenommen und gelehrt.

    Die Lehrkraft

    3. vertritt den Islam vorbildlich und glaubhaft,

    4. verinnerlicht die rechte islamische Lehre,

    5. hat eine angemessene Lebensführung, die nicht im Widerspruch zu den allgemeinen Lehren des Islam steht,

    6. erklärt ihre Motivation zum Beruf in Bezug auf den IRU,

    7. äußert sich zu ihrem schulischen Werdegang,

    8. erläutert ihr geleistetes Praktikum in einer Moschee,

    9. erläutert ihre Einbindung das religiöse Gemeindeleben,

    10. spricht über ihre Erfahrung und Kenntnisse der islamischen Lehre in deutscher Sprache und derer Bedeutung in der Integration,

    11. ggf. berichtet sie von ihrer Hajj bzw. Umra,

    12. stellt ihre Position zum Umfang der Geltung der Scharia für die muslimische Minderheitsgesellschaft in Deutschland klar,

    13. berichtet von ihren Erfahrungen im interreligiösen Dialog.

    14. Was macht dich als Muslim aus?

    14. Was macht dich als Muslim aus?

    Direkte Fragen

    15.

    16. Tragen Sie die Fatiha und zweie aus den letzten zehn Suren vor.

    17. Nennen Sie anerkannte Exegese- und Hadith-Werke.

    18. Nennen Sie einige Hadithe (1-3) in ihrer Bedeutung.

    19. Erläutern Sie den Nutzen des Gebetes.

    20. Erklären Sie den Zusammenhang zwischen Din und Ahlaq.

    21. Erklären Sie innerislamische Unterschiede.

    22. Trägt die Religion zu Harmonie und Einklang der Gesellschaft bei? Erläutern Sie
    – — –

    Die Beiratsmitglieder (Stand 19.12.2011)

    DITIB
    Herr Mehmet Soyhun , Vertretung: Frau Emine Oguz
    Herr Muhammed Aktas , Vertretung: Herr Tuncay Girgin

    SCHURA
    Frau Annett Abdel Rahman , Vertretung: Herr Muhittin Aykaç
    Herr Dr. Ali-Özgür Özdil , Vertretung: Herr Reza Öz

    Geschäftsführer (ohne Stimmrecht)
    Herr Dipl.-Geol. Firouz Vladi

    http://beirat-iru-n.de/der-beirat-1/die-beiratsmitglieder/

    :::
    :::

    Kernkurriculum
    Niedersächsisches
    Kultusministerium
    Kerncurriculum
    für den Schulversuch
    in der Grundschule
    Schuljahrgänge 1-4
    Islamischer
    Religionsunterricht

    An der Erarbeitung des Kerncurriculums für das Unterrichtsfach Islamische Religion in den Schuljahrgängen

    1 – 4, das nach zweijähriger Erprobungszeit evaluiert wird, waren die nachstehend genannten Personen beteiligt:

    Saja Alwa, Hannover
    Ömer Aslangeciner, Lehrte
    Tünay Aygün, Hannover
    Jörg Ballnus, Osnabrück
    Orhan Güner, Hannover
    Hassene Dallali, Hann. Münden
    Monia Medhioub, Göttingen
    Fachkundig beratend:
    Mohammed Ibrahim, Wolfsburg
    Mehmet Soyhun, Dortmund

    Herausgegeben vom Niedersächsischen Kultusministerium (2010)
    http://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/kc-iru-2010.pdf

    :::

  10. Machandelboom Says:

    … von Markfield (GB) nach Gießen (D):
    ::

    Donnerstag, 29. November 2012
    Dr. Johan H. Meuleman, Inholland University of Applied Sciences (Niederlande): „Die Entwicklung des islamischen Religionsunterrichts in den Niederlanden“

    Donnerstag, 24. Januar 2013
    Prof. Dr. Abdullah Sahin, Markfield Institute of Higher Education (England): „The Contribution of Religious Education to Social and Community Cohesion: Examining The Case of Islamic Education in Secular Multicultural European Societies“

    Donnerstag, 7. Februar 2013
    Dr. Mizrap Polat, Osnabrück/Osmangazi Universität Eskisehir: „Menschenbild im Islam und seine Bedeutung für islamischen Religionsunterricht“

    Alle Vorträge beginnen um 16 Uhr im Haus E, Raum 209, im Philosophikum I, Otto-Behaghel-Straße 10, 35390 Gießen.

    Termin:

    Donnerstag, 1. November 2012, 16 Uhr
    Dr. Dr. Ilhan Ilkilic, Universität Mainz/Deutscher Ethikrat: „Bioethische Fragen und Muslime: Neue Herausforderungen für die islamische Religionspädagogik“
    Ort: Raum E 209, Philosophikum I, Otto-Behaghel Straße 10, 35390 Gießen

    http://www.uni-giessen.de/cms/ueber-uns/pressestelle/pm/pm210-12

    ::
    ::

    hier beworben bei der Deutschen Islamkonferenz (DIK)

    The Contribution of Religious Education to Social and Community Cohesion: Examining The Case of Islamic Education in Secular Multicultural European Societies
    Veranstalter Universität Gießen
    Veranstaltungsort Gießen
    Bundesland Hessen
    Beginn 24.01.2013 16:00 Uhr

    Die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts ist weiterhin ein Hauptthema der öffentlichen Diskussion im Kontext der Integration von muslimischen Migrantinnen und Migranten in Deutschland beziehungsweise Europa. Die Professur für islamische Theologie und ihrer Didaktik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) im Wintersemester 2012/13 vier Vorträge zu aktuellen Fragen der islamischen Theologie und Religionspädagogik.

    Referent: Prof. Dr. Abdullah Sahin, Markfield Institute of Higher Education (England)

    (Raum E 209, Philosophikum I, Otto-Behaghel Straße 10, 35390 Gießen)

    http://www.deutsche-islam-konferenz.de/SharedDocs/Veranstaltungen/DIK/DE/2012/20121112-contribution-religious-education-social.html

    ::
    ::

    mihe
    The Markfield Institute of Higher Education
    Markfield,
    Leicestershire,
    UK

    http://www.mihe.org.uk/

    MEd in Islamic Education: New Perspectives

    BA (Hons) in Islamic Studies
    MA in Islamic Studies

    MA in Islamic Banking, Finance and Management

    Courses

    http://www.mihe.org.uk/courses-list

    Tuition Fees

    http://www.mihe.org.uk/tuition-fees

    Dr. M. Manazir Ahsan
    Dr. Abdullah Sahin
    Dr. Abul Hassan
    Dr. Ataullah Siddiqui
    Dr. Shahrul Hussain

    http://www.mihe.org.uk/staff

    Dr. Abdullah Sahin

    Dr Sahin has recently been appointed as a Visiting professor (2009/10 Academic Year) at the Institut d’Etudes de l’Islam et des Sociétés du Monde Musulman at the Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, Paris.

    Dr Sahin is currently completing a book entitled „Pedagogy and identity formation: New Directions In Islamic Education“ which will be published by Kube Publishing Ltd in 2012.

    http://www.mihe.org.uk/abdullah-sahin

    Dr. Ataullah Siddiqui

    Dr Ataullah Siddiqui is a Reader in Religious Pluralism and Inter-Faith Relations at the Markfield Institute of Higher Education where he was also the Director of the Institute from 2001 to 2008. He is a Visiting Professor at the University of Gloucestershire and a Visiting Fellow at York St. John’s University. He is a member of the Advisory Board of the HRH Prince Alwaleed Bin Talal Centre for the Study of Islam in the Contemporary World at the University of Edinburgh. He was founder President and Vice Chair of the ‘Christian Muslim Forum’in England, and a founder member of the Leicester Council of Faiths.

    http://www.mihe.org.uk/ataullah-siddiqui

    Dr. Shahrul Hussain

    Dr. Shahrul Hussain completed his PhD at the University of Aberdeen, Scotland. He embarked on his Islamic education at a specialist Islamic seminary, Darul Uloom Al-Islamiyah Al-Arabiyah School & College, Birmingham. After graduating from Darul Uloom he won a scholarship to study at the University of Al-Azhar, Cairo, Egypt, and graduated from the Faculty of Islamic Jurisprudence and Law in 2001

    http://www.mihe.org.uk/shahrul-hussain

    ::

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